Neues Ungarnforum - das Forum für Residenten in ganz Ungarn
#1

Reportage aus der Ortschaft Gesztely

in Ostungarn 20.04.2010 15:04
von Admi • Peter / Admi | 11.334 Beiträge

Anm.des Admi: Ich habe mir lange überlegt, ob ich den Artikel bringen soll, aber ich denke auch so was sollte gelesen werden. Mir gruselt ob der markigen und verständnisvollen Reden, mir gruselt aber auch vor den strukturellen und gesellschaftlichen Problemen

Von Peter Bognar Budapester Zeitung

Wo trotz Schnellstraße niemand hin will
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Der Nordosten Ungarns gilt als Armenhaus des Landes und bildet den Nährboden für ethnische Spannungen. Die Budapester Zeitung machte sich ein Bild von der dortigen Situation.
Man muss die Zigeuner wie Kinder behandeln, ist sich Bürgermeister Imre Hompoth sicher: „Ohne Strenge und konsequentes Auftreten halten sie einen zum Narren. Wenn Sie so wollen, muss man sie dressieren.“ Der 63-jährige pausbäckige Bürgermeister der nordostungarischen Ortschaft Gesztely weiß, wovon er spricht. Seit sieben Jahren lenkt er die Geschicke der 3.000-Seelen-Gemeinde unweit der Stadt Miskolc.

Hompoth, der trotz rechter Gesinnung als „unabhängiger Kandidat“ Bürgermeister von Gesztely wurde, erzählt aus dem Nähkästchen: „Als ich den ersten Arbeitstag als Bürgermeister antrat, war im Gemeindehaus alles schwarz, weil sich so viele Zigeuner dort getummelt haben.“ Was sie wollten? „Natürlich finanzielle Unterstützung, was sonst!“, betont Hompoth. Sein Vorgänger habe gegenüber den Roma die Zügel schleifen lassen. Hompoth: „Er hat dafür aber auch die Zeche zahlen müssen. Vielen Bittstellern hat er aus der eigenen Tasche Geld gegeben, nur um endlich Ruhe zu haben.“

Bei ihm würden andere Zustände herrschen, sagt Hompoth. Gegenüber den Roma führe er ein strenges Regiment: „Wenn die Kinder einer Zigeunerfamilie nicht in die Schule gehen, gibt es keine Almosen. So einfach ist das!“ Er erzählt von einem Roma, der ihn vor kurzem um einen Kredit gebeten hat, um die Stromrechnung bezahlen zu können. „Ich habe mir daraufhin angesehen, wieviel dieser Mensch und seine mehr als zehnköpfige Familie an Sozialhilfe bekommt“, sagt der Bürgermeister. Bedeutungsvoll hebt er die Stimme: „360.000 Forint pro Monat!“ Er habe den Mann hinausgejagt.

Doch in Gesztely sind solche Fälle eher die Ausnahme. Nicht ohne Stolz erklärt der Bürgermeister, dass die Roma in seiner Ortschaft in puncto Verhalten und Einstellung geradezu vorbildlich seien. Zum Vergleich: Bereits in der Nachbarortschaft Hernádkak gebe es große Probleme mit den Roma. Die Kriminalität sei dort auch viel höher. Hompoth weiß die Erklärung: „Weil der dortige Bürgermeister die Zigeuner mit Glacéhandschuhen anfasst.“ Die „guten Sitten“ der Roma in Gesztely seien aber auch damit zu erklären, dass diese alteingesessene und damit integrierte „Zigeuner“ sind, sagt er.

Wenn es mit den Roma in Gesztely ein Problem gebe, dann sei es deren „Fortpflanzung“, betont Hompoth. Er erklärt, dass der Anteil der Roma-Kinder im örtlichen Kindergarten bei mehr als 50 Prozent liege. In der Schule sei die Situation ähnlich. Der Anteil der Roma an der Gesamteinwohnerschaft von Gesztely beträgt über 20 Prozent.

Jobbik zweite Kraft
Der Nordosten zählt zu den ärmsten und rückständigsten Regionen Ungarns. Die Arbeitslosigkeit liegt hier bei mehr als 20 Prozent. In diesem Teil des Landes ist auch der Roma-Anteil an der Bevölkerung besonders hoch. Ein guter Nährboden für radikale politische Ideen, wie sie von der rechtsextremen Partei Jobbik vertreten werden.

Bürgermeister Hompoth kramt aus der Schublade seines Schreibtisches einen Zettel hervor: „Darauf habe ich im Vorjahr das örtliche Ergebnis der Europawahlen geschrieben.“ Während sich der rechtskonservative Fidesz mit 321 Wählerstimmen damals klar vor den anderen Parteien absetzte, war Jobbik mit 151 Stimmen zweitstärkste Kraft in Gesztely. Auf die Sozialisten (MSZP), die derzeit noch das Land regieren, gaben nur 118 Gesztelyer ihre Stimme ab. Laut Hompoth wird sich diese Tendenz noch verstärken: „Ich gehe davon aus, dass sich der Stimmenanteil der MSZP bei den Parlamentswahlen halbieren wird.“
Und wohin wandern diese Stimmen? „Wahrscheinlich zu Jobbik“, sagt Hompoth. Für den Vormarsch von Jobbik in Gesztely hat der Bürgermeister übrigens eine einfache Erklärung: „Die reden dem Volk nach dem Mund.“ Jobbik komme bei den Menschen auch deshalb gut an, sagt Hompoth, weil die Partei in Zeiten der Krise und wachsender gesellschaftlicher Zerrüttung und Aussichtslosigkeit einfache wirtschaftliche Lösungen parat habe.

Straße ins Nichts
Für eingängige wirtschaftliche Slogans sind die Gesztelyer besonders empfänglich. Rund ein Drittel der Einwohnerschaft ist arbeitslos, unter den örtlichen Roma liegt die Arbeitslosigkeit sogar bei mehr als 50 Prozent. Bürgermeister Hompoth verweist darauf, dass seit drei Jahren eine vierspurige Autostraße bis nach Gesztely führe. Die Dorfbewohner hatten große Erwartungen an die Schnellstraße geknüpft. Sie hofften auf einen Zuzug von Firmen und Investoren. Allerdings: „Kein einziger Unternehmer hat sich seit der Fertigstellung der vierspurigen Schnellstraße in Gesztely niedergelassen“, sagt Hompoth. Resigniert stellt er die Frage: „Wozu zum Teufel brauchen wir dann diese Straße?“

Keine wirtschaftlichen Aussichten
Früher gab es in Gesztely kaum Arbeitslose. Es gab mehrere Fabriken im Umkreis von zehn Kilometern. Außerdem hatten viele Menschen in der Ortschaft Zuckerrüben für eine nahe gelegene Zuckerfabrik sowie Gerste für eine große Bierbrauerei in der Gegend angebaut. Die Zuckerfabrik wurde nach der Wende ebenso dicht gemacht wie die anderen Fabriken in der Umgebung. Die Brauerei wiederum wurde von einem belgischen Bierproduzenten vor etwa zehn Jahren gekauft. Seither wird die Gerste aus Belgien nach Ungarn geschafft.

Wovon die Menschen in Gesztely leben? „Fast ausschließlich von der Landwirtschaft“, sagt Bürgermeister Hompoth. Viele Familien seien Selbstversorger. Es spricht Bände, dass der größte Arbeitgeber in Gesztely die Gemeindeverwaltung ist. Jahr für Jahr werden im Gemeindebudget rund 60 Millionen Forint dafür veranschlagt, um rund 100 Personen zu entlohnen, die in der Gemeinde gemeinnützige Arbeit verrichten.

Hompoth merkt an, dass der landwirtschaftliche Boden im Umland der Ortschaft besonders gut sei. Eine verarbeitende Industrie habe sich hier dennoch nicht angesiedelt, beklagt er. Der Bürgermeister erzählt, dass große Mengen an Raps und Sonnenblumen von einer österreichischen Firma nach Österreich transportiert würden, um dort Öl daraus zu machen. Er stellt in bitterem Ton die Frage: „Warum wollen die Österreicher das verdammte Öl nicht hier vor Ort herstellen?“
Bei der Fahrt mit dem Auto durch die zum Teil unasphaltierten und löchrigen Straßen von Gesztely hebt der Bürgermeister immer wieder die Hand, um die Dorfbewohner zu grüßen: Da winkt eine alte, gebückte Frau mit Kopftuch, die gerade dabei ist, mit der Hacke ihren Gemüsegarten zu bearbeiten. Dort hat sich am Straßenrand eine vielköpfige Roma-Familie zum Tratsch versammelt, vom Säugling bis zur Großmutter ist jede Generation vertreten.

Plumpsklo in der Schule
Hompoth fährt an der neuen, modernen Schule vorbei, die 2007 eröffnet und zum Großteil aus EU-Geldern finanziert wurde. Sie ist der Stolz der Gemeinde. Dahinter steht das heruntergekommene leere Gebäude einer ehemaligen Sonderschule, die vor drei Jahren noch in Betrieb war und vor allem von Roma-Kindern besucht wurde. Hompoth erzählt: „In dieser Sonderschule sind die Zigeunerkinder vor wenigen Jahren noch auf das Plumpsklo gegangen, weil es nichts anderes gab. Als die Schule ein neues Spülklosett bekam, hatten die Kinder keinen blassen Schimmer, wie man es benutzt. Und das im 21. Jahrhundert!“

Im realsozialistischen Festsaal des Kulturhauses von Gesztely hält an diesem Tag die rechtsradikale Partei Jobbik ein Bürgerforum ab. Die 30 bis 40 Zuhörer hören von Jobbik-Politiker Zsolt Egyed simple Antworten auf komplexe Probleme. Die „Zigeunerkriminalität“ müsse durch eine rigide Law-and-Order-Politik eingedämmt, allgemeiner Waffenbesitz nach dem Vorbild der USA erlaubt und auch die Todesstrafe wieder eingeführt werden. In Anspielung auf die hohe Geburtenrate unter den Roma, sagt Egyed, dass Ungarn nicht das Schicksal des Kosovo ereilen dürfe, wo die Minderheit der Albaner zur Mehrheit geworden sei. Er erntet großen Beifall.

Nach dem Ende des Bürgerforums stehen zwei kahlgeschorene Jugendliche vor dem gelb gestrichenen Kulturhaus herum. Was an Jobbik so anziehend ist? Mit entschiedener Stimme gibt einer der beiden Antwort: „Die zeigen endlich, wo’s lang geht.“


Bis später
Admi Peter
Uj.Magyar@online.ms


Je älter man wird um so mehr nimmt die Zahl derer zu die einen am Arsch lecken können. B.Fuchsberger

zuletzt bearbeitet 20.04.2010 15:05 | nach oben scrollen

#2

RE: Reportage aus der Ortschaft Gesztely

in Ostungarn 20.04.2010 15:46
von Pusztaqueen • Magyar | 1.304 Beiträge

Bin ich froh, dass wir in der Puszta leben!!!!

Hier haben wir weder das Problem mit den Roma, noch mit so
radikalen Überfliegern....

Allerdings, nur wenige km weiter, im Dorf, da wächst der Unmut
gegen die "Zigeuner"! Der Bürgermeister von Szank hat die Roma
ermutigt, sich in seinem schönen Dorf anzusiedeln - pro gemeldetem
Einwohner gibts ja Zuschüsse vom Staat....

Seither (so sagen die Dorfbewohner!!) sind die Strassen verschmutzt,
die Polizei wird vermehrt gerufen und fährt regelmässig Streife
und die Wasserpumpe vom nagelneuen Springbrunnen im Park wurde nach nur
2 Tagen gestohlen.....Keine Frage, WER das war...

Jetzt muss ich wohl noch eine Anmerkung machen, wie meist unser Admi - ich gebe hier nicht meine Meinung wieder!!!!


Bis bald mal wieder
Pusztaqueen


- Man sollte keine Fragen stellen, wenn man die Antwort nicht hören will -

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#3

RE: Reportage aus der Ortschaft Gesztely

in Ostungarn 22.04.2010 07:45
von Blauwal • Magyar | 223 Beiträge

Mich würde mal interessieren, ob dieses Verhalten und die Probleme so gehäuft nur in Nordungarn auftreten. Oder hat es da angefangen und Zieht sich jetzt weiter durch das Land? Geht die Diskriminierung "nur" gegen Sinti und Roma oder auch gegen andere Minderheiten im Land?
Habt Ihr schon Erfahrungen gesammelt, wie sich die Stimmung seit der Wahl ändert oder auch nicht? Was sagen die Ungarn über das Wahlergebnis. Mit dem Spruch das "Budapest weit weg ist" und die Mehrheit damit nichts zu tun hat, kann es ja nach diesem Wahlergebnis nicht getan sein.
Was mich auch noch interessiert:
Sinti und Roma haben es leider immer und überall schwer. Das ist kein ungarisches Problem, aber die Diskriminierung nimmt europaweit so stark zu, dass sogar die EU Maßnahmen ergreifen will um Sinti und Roma besser zu schützen. Man fürchtet nämlich mittlerweile, das sich der Hass gegen Sinti und Roma zu einem europäischen Flächenbrand entwickeln könnte. Was passiert da nur in den Köpfen der Mendchen, wenn man bestimmte Volksgruppen so mißachtet? Können die ungarischen Sinti und Roma eigentlich auf private oder vielleicht sogar staatliche Hilfe hoffen, wenn sie bedroht oder angegriffen werden, oder gibt es da doch leider lieber die Strategie des wegschauens?
Was kann jeder einzelne von uns tun? Werden irgendwann wieder marodierende Truppen duch die Gegend ziehen und Menschen vertreiben, ihre Häuser brandschatzen oder sonst noch schlimme Dinge tun, und die die nicht davon betroffen sind schauen weg? Diese Entwicklung bereitet mir Sorge.
Was meint Ihr dazu?


Liebe Grüße

Blauwal


-Es ist besser im Dunkeln ein Licht anzuzünden, als auf die Finsternis zu schimpfen-

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#4

RE: Reportage aus der Ortschaft Gesztely

in Ostungarn 22.04.2010 07:45
von Blauwal • Magyar | 223 Beiträge

Mich würde mal interessieren, ob dieses Verhalten und die Probleme so gehäuft nur in Nordungarn auftreten. Oder hat es da angefangen und Zieht sich jetzt weiter durch das Land? Geht die Diskriminierung "nur" gegen Sinti und Roma oder auch gegen andere Minderheiten im Land?
Habt Ihr schon Erfahrungen gesammelt, wie sich die Stimmung seit der Wahl ändert oder auch nicht? Was sagen die Ungarn über das Wahlergebnis. Mit dem Spruch das "Budapest weit weg ist" und die Mehrheit damit nichts zu tun hat, kann es ja nach diesem Wahlergebnis nicht getan sein.
Was mich auch noch interessiert:
Sinti und Roma haben es leider immer und überall schwer. Das ist kein ungarisches Problem, aber die Diskriminierung nimmt europaweit so stark zu, dass sogar die EU Maßnahmen ergreifen will um Sinti und Roma besser zu schützen. Man fürchtet nämlich mittlerweile, das sich der Hass gegen Sinti und Roma zu einem Flächenbrand entwickeln könnte. Was passiert da nur in den Köpfen der Mendchen, wenn man bestimmte Volksgruppen so mißachtet? Können die ungarischen Sinti und Roma eigentlich auf private oder vielleicht sogar staatliche Hilfe hoffen, wenn sie bedroht oder angegriffen werden, oder gibt es da doch leider lieber die Strategie des wegschauens?
Was kann jeder einzelne von uns tun? Werden irgendwann wieder marodierende Truppen duch die Gegend ziehen und Menschen vertreiben, ihre Häuser brandschatzen oder sonst noch schlimme Dinge tun, und die die nicht davon betroffen sind schauen weg? Diese Entwicklung bereitet mir Sorge.
Was meint Ihr dazu?


Liebe Grüße

Blauwal


-Es ist besser im Dunkeln ein Licht anzuzünden, als auf die Finsternis zu schimpfen-

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#5

RE: Reportage aus der Ortschaft Gesztely

in Ostungarn 22.04.2010 09:13
von charlotte • Resident/in | 58 Beiträge

Hallo an alle,

ich kann mich nur auf -Hörensagen- berufen, es wurde mir also von Einheimischen erzählt, dass man die Sinti und Roma nicht mag, da sie - im Vergleich zu den Ungarn - sehr viel mehr Unterstützung vom Staat bekämen. Ich habe mir nicht alles gemerkt - erinnere mich jedoch, wie erheblich diese Unterschiede beschrieben wurden.

Andererseits habe ich auch schon Kontakt mit Sinti und Roma gehabt, die mir erzählten, es sei zwar möööööglich, Unterstützung vom Staat zu bekommen, allerdings müsse man dafür enorm viele Anträge stellen - das könnten die meisten gar nicht - und dazu käme der Behördenmarathon - der für viele unüberwindlich erscheint.

++ + +

Ich habe auf meiner Suche nach einem Haus - im März 2009- ein Haus besichtigt, mitten in einem Dorf, in dem fast ausschliesslich Sinti oder/und Roma lebten. Ich liebe ja die Kultur sehr und höre sehr sehr sehr gerne Ihre Weisen und Lieder, aber aber aber - - - ich bin aus dem Ort gefahren als sei ich auf der Flucht und habe der Maklerin die Levitten gelesen. Alles, alles, alles machte einen so verwahrlosten Eindruck auf mich, dass ich dachte:
'Zöge ich herher, kämen meine Bekannten aus Deutschland auf die Idee, ich brauchte unbedingt Spenden.'

Nach diesem Erlebnis habe ich ein wenig Zweifel daran, dass der ungarische Staat einfach so besonders hohe Unterstützungen ausschüttet und glaube eher, dass der Weg der Anträge sehr beschwerlich ist.

Ich hatte bisher immer den Eindruck, diese Menschen sind zufrieden. Sie haben eine sehr enge Familienbindung und sind sehr stolz.

Nur nur nur - ich hatte ganz zu Anfang in der Puszta mal einen Helfer - es war (mit Hilfe einer deutsch sprechenden Ungarin) genau ausgehandelt- was er macht und wie viel er dafür bekommt - er war sehr fleissig, ich habe den ganzen Tag mit ihm zuzsammen gearbeitet - und fand am Abend- der ausgehandelte Lohn für diesen Arbeitsabschnitt sei wirklich verdient, aber auch zu wenig und zahlte ihn FÜR DEN TAG aus.

Ich gab das Doppelte, was mir immer noch zu wenig erschien. (Damals habe ich noch in deutschem Massstab gedacht.)

Am nächsten Morgen wartete ich umsonst.
Am darauf folgenden Tag kam er ebenfalls nicht.

Die deutsch sprechende Ungarin sagte mir, er sei sehr zuverlässig, sie können sich das nicht vorstellen, fragte mich aber nebenbei, ob ich ihm etwa schon Geld gegeben hätte. Ich berichtete ihr von meiner Überlegung und Handlung.

Sie lachte mich aus und sagte, so vertriebe ich meinen Helfer. Der schlafe jetzt sicher erst mal seinen Rausch aus und käme wieder, wenn der Palinka alle ist.

Nun, was der Mann in den drei Tagen gemacht hatte weiss ich nicht, auf jeden Fall stand er am vierten Morgen - pünktlich- vor meiner Tanya und sagte, es könne losgehen.

Ich hatte aber alles schon alleine fertig bekommen.

Er war kaum zu überzeugen, dass ich keine Hilfe mehr brauche.

+ + +

Ich kann mich irren, jedoch habe ich den Eindruck, dass - wenn man einmal -natürlich nach eigenem Bilde-geholfen hat - und sei es nur durch - für hier - sehr hohen Tageslohn - hat man die Motivation, wieder einen Auftrag anzunehmen - irgendwie gebrochen.

+ + +

Ich hatte hier vor einigen Monaten einen Wasserrohrbruch. Da ich ein gutes soziales Netz habe, reichte ein Anruf und es kam nach einer Stunde ein Mann, der mir alles reparierte. Er wollte 1200 Huf. Ich war soooooo froh, sofort und kompetent Hilfe bekommen zu haben, dass ich ihm 10 000 Huf gab und mich herzlichst bedankte.

Ich hatte ein paar Wochen danach den Wunsch, meine Küchenamaturen auszuwechseln und rief ihn wieder an.

Er war bis heute nicht da.

Eine Bekannte aus dem Ort, die seine ganze Familie kennt, sagte mir, er dürfe sicherlich nicht wieder kommen, da er -nach der reichlichen Bezahlung- drei Tage mit Palinka verbracht habe - und seine Frau stinksauer auf mich ist.

Mir wurde der Rat gegeben - wenig zu zahlen- nur nach Abschluss aller Arbeit und ein Teil in Naturalien- aber keinesfalls Alkohol zu geben.

+ + +

Ehrlich, ich bin froh - das allermeiste allein machen zu können, weil mir das mit dem Helfenlassen einfach zu kompliziert ist.

herzlichst
charlotte


Das Leben schreibt seine Rechnungen und will sie bezahlt haben. Offenbar zahlt der Mensch, ohne sich bewusst zu machen, es ist seine Lebenszeit, die ihm aufgerechnet wird, und nimmt unbedacht in Kauf, sein Glück hergeben zu müssen. (Copyrhight ACR)

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#6

RE: Reportage aus der Ortschaft Gesztely

in Ostungarn 22.04.2010 10:55
von gelöscht auf eigenen Wunsch • ( Gast )

Servus aus dem Bakony,
mir geht´s ähnlich mit dem Lohn oder Trinkgeldern!
Man muß sich wirklich daran gewöhnen nur das zu bezahlen, was verlangt wird!
Günter


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