Noch kein gastronomisches Idyll
Unweit vom Heldenplatz, an einem kleinen Teich, liegt in das Budapester Stadtwäldchen eingebettet das Restaurant „Robinson“. Die Atmosphäre wird sowohl am Tag, aber noch mehr bei Kerzenschein am Abend, von der idyllischen Lage am Wasser geprägt. Das Speisenangebot ist übersichtlich und dem hier verkehrenden internationalen Publikum angepasst.
Da man allerdings die Küche gerade ausbaut – was genau zu Saisonbeginn geschieht und sich über drei Monate hin ziehen soll – ist von der Fülle der Gerichte nicht viel übrig geblieben.
Mit den Preisen ist man allerdings wegen der baulichen Einschränkungen nicht zurück gegangen. Das zwar schmackhafte Risotto mit Meeresfrüchten hatte allerdings nicht die erforderliche Konsistenz, offensichtlich hat man hier mit Parmesan gespart.
Die Zitronen-Geflügelfleisch-Suppe wäre noch schmackhafter gewesen, wenn man – wie leider bei fast allen anderen Gerichten auch – mit dem Salz etwas sparsamer umgegangen wäre.
Die ansonsten gut gewürzte Entenbrust und dem etwas minimalisierten Rumpsteak fehlten jeweils die rosa Kerne, obwohl beim Kellner ausdrücklich um Medium gebeten wurde.
Die Desserts bieten keine sonderlichen Überraschungen, sind aber durchweg handwerklich und geschmacklich gut gemacht, insbesondere das Tiramisu. Die Käseplatte kommt – wie fast überall in ungarischen Lokalen - etwas einfallslos
präsentiert daher. Auf der Weinkarte finden sich alle ungarischen Spitzenwinzer, ergänzt um ein paar internationale Rebsorten - allesamt zu vernünftigen Preisen. Empfehlenswert sind hier besonders die Weine aus dem Keller Gere und generell der Vorzeige-Rotwein-Region des Landes, dem Villány. Das Einschenken vom Bier mit der auch hierzulande mittlerweile geschätzten „Blume“ muss noch geübt werden.

Die eher durchschnittliche Küche wird durch einen überdurchschnittlichen Service kompensiert.
Mit großer Aufmerksamkeit, aber ohne Aufdringlichkeit, trägt das mehrsprachige Personal wesentlich mit zur angenehmen Gesamtatmosphäre bei.
Wenn dann auch noch das Umfeld vom Unrat befreit und der Teich von Entengrütze, toten Enten und Fischen gereinigt worden und die Küche wieder zur ehemaligen Hochform aufgelaufen ist, kann diese gastronomische Insel auch wieder als kulinarische Idylle empfohlen werden, - aber erst dann!