Die Lage in Tschechien, Polen, Slowakei und Ungarn blieb auch am Dienstag kritisch
Die Überflutungen durch heftige Unwetter haben Teile von Ostmitteleuropa überschwemmt, in der Region starben bisher mindestens sieben Menschen. Vor allem Südostpolen, Nordostmähren und die Nordslowakei sind betroffen sowie weite Teile von Nordungarn um Miskolc. Tausende wurden evakuiert, Helfer kämpfen gegen die Fluten. Die Landwirtschaft wird stark geschädigt.
Im Norden und Nordosten von Ungarn blieb die Hochwasserlage am Dienstag extrem angespannt. Insgesamt waren rund 800 Kilometer Flußverlauf von Überschwemmungen betroffen, in einigen Gegenden in "beispielloser Dimension" wie der Katastrophenschutz erklärte. Rund 2.000 Feuerwehrleute, Einwohner, Freiwillige und Katastrophenschützer waren an den Flüssen Bodva, Hernad, Zagyva, Tarna, Ipoly und Sajo im Einsatz, am schlimmsten traf es Abschnitte an der Sajo und Hernad, nördlich von Miskolc, wo rund 1.500 Menschen in großer Eile vor den Fluten evakutiert werden mussten. Bereits am Sonntag mussten rund 2.000 Menschen aus vielen Dörfern der Gegend in sicherere Gefilde gebracht werden, ein Mann starb beim Einsturz einer Mauer. Auch am Balaton richteten die heftigsten seit langem gemessenen Stürme mit über 120 kmh sowie eine regelrechte Sturmflut enorme Schäden an. Die Regenmengen an einem Tag überstiegen zum Teil die Durchschnittswerte für den ganzen Monat.
Die Landwirtschaftskammer befürchtet zudem einen großen Schaden für die Bauern. Rund 150.000 Hektar, in manchen Komitaten bis zur Hälfte der landwirtschaftlichen Nutzflächen sei überflutet und derzeit nicht zu bearbeiten. Vor allem in den Komitaten Borsod-Abaúj-Zemplén, Csongrád, Nógrád, aber auch in Komárom-Esztergom und Györ-Moson-Sopron stehen die Felder unter Wasser, was gerade jetzt besonders dramatisch ist, weil viele Felder gerade die Aussaat hinter sich haben, die Samen und Keimlinge nun aber weggespült werden oder verfaulen. Betroffen sind vor allem Raps, Mais und Getreide. Die Schäden werden schon jetzt auf etliche Millionen Euro geschätzt. Ebenso übel hat es viele Straßen und Bahngleise getroffen, die häufig wurden.
Mindestens ebenso stark wie den Norden Ungarns hat es Teile von Tschechien, den Südosten von Polen sowie die Nordslowakei erwischt, wo sechs weitere Todesopfer zu beklagen sind, fünf in Polen und eines in der Tschechischen Republik. Die Regierungschef der drei Länder vereinbarten ein schnelles gemeinsames Krisenmanagement. In Tschechien wird in der Moravia-Silesia Region bereits die Armee eingesetzt, etliche Bahnstrecken mussten gesperrt werden, in vielen Orten ist die Stromzufuhr unterbrochen. Der ungarische Ministerpräsident Gordon Bajnai hatte bereits am Montag vor Ort den Notstand ausgerufen, um den betroffenen Regionen Zugang zu nationalen Hilfsquellen zu ermöglichen.
Unwetterwarnungen bestehen heute und morgen vor allem noch für den Süden von Polen und den Norden der Slowakei. Mäßiger Regen ist auch in Ungarn und Tschechien möglich.