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#1

Neues Dorf im Freilichtmuseum Szentendre

in Budapest/Mittelland 27.05.2010 18:18
von Admi • Peter / Admi | 11.846 Beiträge

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Von Alice Müller
Dienstag, 25. Mai 2010
Kommunismus im Museum

Sturm und Wasser machten in der vergangenen Woche auch vor dem Freilichtmuseum Szent­end­­­re nicht halt. Dächer wurden abgedeckt, der Sztaravoda-Bach trat über die Ufer und unterspülte die Schienen der Museumsei­sen­bahn. Die Leitung des Freilichtmuseums wandte sich an den Staatlichen Kul­turfonds mit der Bitte, Mittel für die Be­hebung der Schäden zur Verfügung zu stellen.

Glück im Unglück hatte das Freilicht­mu­se­um dennoch. Denn in der zweiten Juni­hälf­te soll eine neue geografische Einheit, die den Nor­den Ungarns repräsentiert, eröffnet werden. Die Unwetter unterbrachen lediglich die ge­gen­wärtigen Einrichtungsarbeiten, da das Ge­lände schwer begehbar war.
Es ist eine Be­son­derheit des Frei­licht­mu­seums Szentendre, dass die unterschiedlichen Regionen Ungarns in je einem getrennten Dorf aufgebaut werden, wobei die An­ord­nung der Häuser des Dorfes auch den Ge­pflo­gen­heiten der Region entspricht. Für die neue Einheit der Palóc-Ge­gend wurde ein Taldorf konstruiert, das an einem Bach liegt. Zwi­schen den Häusern findet man auch eine Höh­lenwohnung, die zur Zeit des Zweiten Welt­kriegs als Zuflucht genutzt wurde. Im Übrigen wurden Häuser aus Márianosztra, Karancs­keszi und Nemesradnót an ihrem ursprünglichen Ort abgetragen und in Szent­endre wieder aufgebaut. Die Aus­stel­lungs­ge­gen­stände dieser Räume stammen ausschließlich aus diesen Dörfern. Museumsdirektor Miklós Cseri zeigte sich bei einer Presse­kon­fe­renz am vorvergangenen Donnerstag besonders stolz darüber, dass zum ersten Mal eine Kooperation mit einem Nachbarland zu Stande kommen konnte, liegt doch das überwiegend von U­n­garn bewohnte Nemesradnót heute in der Slo­wa­kei. Interessant ist dieses Dorf auch für Lite­ra­tur­freunde, weil der Vater des Dichters Miklós Rad­nóti aus Nemes­radnót stammte.


Neue Anforderungen
der Museumspädagogik

Der Schwerpunkt der Ausstellung liegt auf dem Anfang des 20. Jahr­hunderts. Wirt­schaftlich war es eine schwierige Zeit, die die Bewohner des Nordens dazu zwang, sich neue Erwerbskanäle zu öffnen. Typische Beschäf­ti­gun­gen waren damals Korbflechter, Brezel­bäcker oder Drahtflicker. Andere zogen als Ern­tehelfer in den Süden, um dort bei den reicheren Bauern der Tief­ebe­ne den Unterhalt für die Familie zu verdienen.Doch nicht nur der Anfang des 20. Jahr­hunderts wird präsentiert, vielmehr wagt das Freilichtmuseum auch, eine Wohn­zimmer­ein­richtung eines Bauern­­hauses aus frühen Jah­ren des Kom­mu­nis­mus zu zeigen. „Eine statische Ausstellung, die nur ein einziges Bild von früher zeigt, entspricht nicht mehr den heutigen An­for­de­run­gen der Mu­se­ums­pädagogik“, sagt Zsuzsanna Batári, die für die Konzeption der Land­schafts­einheit verantwortlich ist. „Die Leute möchten eher wissen, was aus bestimmten Sachen und Bräuchen geworden ist und wozu etwas genutzt wurde.“

Dachboden als Fungrube
für Museologen

In dem neuen Teil des Museums versucht man, sich auf diese neuen Bedürfnisse einzustellen. So werden Küchengeräte aus den verschiedensten Zeiten nebeneinandergestellt, damit man selbst Vergleiche ziehen kann. Damit der Nutzen eines alten Gegenstands offensichtlich wird, bemüht sich das Museum darum, alles anfassbar zu machen und in einen entsprechenden Kontext zu stellen. „Wenn ich ein Gitter, auf dem Brot nach dem Backen gekühlt wurde, ohne diesen Zusammenhang – das heißt ohne das Brot – ausstelle, weiß niemand, wozu das gut war.

Wenn ich ein Brot darauflege, wissen es alle, ohne dass man eine Erklärungstafel schreiben muss“, erklärt Zsuzsanna Batári. Auch die Rekon­struk­­tions­ar­beit der Museologen soll begreiflich werden: Ein Bauernhaus wird zum Teil mit einer Glaswand ausgestattet, so dass Besucher die Struktur der Wand betrachten können. Außer­dem kann man auf den Dach­boden des Hau­ses klettern und dort fündig werden. Miklós Cseri erklärt die Bedeutung des Dachbodens: „Ein Gegenstand, der im 18. Jahrhundert alltäglich war, beispielsweise eine Trage, wird in der nächsten Generation für etwas anderes genutzt, weil sich die Gewohn­heiten ändern. Also wird aus der Trage ein Trog, der dann in der nächsten Generation wieder ganz anders verwendet wird, bis er schließlich auf dem Dachboden landet, weil man nicht weiß, was man damit machen soll. Das heißt, man findet recht häufig Sachen aus dem 18. Jahrhundert, man muss sie nur erkennen und wissen, was ihr eigentlicher Zweck war. Die Eigentümer sind dann häufig selbst überrascht, dass sie so etwas herumliegen haben.“

Zwar wird der Bereich planmäßig erst Mitte Juni eröffnet, doch bereits jetzt kann man sich einen Eindruck von der neuen Landschafts­einheit machen: Auf der Internetseite des Frei­licht­museums gibt es eine virtuelle Tour durch das neue Dorf. Die neuen Medien sollen auch nach der Eröffnung eine wichtige Rolle übernehmen. „Wir haben Dokumenta­ti­ons­fil­me gedreht, in denen die alten Hand­werks­­tech­­no­logien gezeigt werden“, so Zsu­zsan­na Batári. „Au­ßer­dem wird es einen Raum mit Fotos geben. Auf Touch­screens können die Besucher dann die Geschichten zu den Fotos erfahren.“
Nun bleibt also nur zu hoffen, dass die Sturm­­­schäden in Höhe von rund 50 Millio­nen Forint bis Juni beseitigt werden können, damit sich das Freilichtmuseum bei der Er­öff­nung des neuen Teils von seiner besten Seite zeigen kann.


Bis später
Admi Peter
Uj.Magyar@online.ms


Je älter man wird um so mehr nimmt die Zahl derer zu die einen am Arsch lecken können. B.Fuchsberger

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