btb, Band 73600
Ausgezeichnet mit dem schwedischen Krimipreis
344 Seiten 9.00€
Ein spannender psychologischer Krimi vor der winterlichen Kulisse Lapplands.
Winter in Nordschweden: Zwischen Schnee und Eis und ewiger Nacht geschieht ein schreckliches Verbrechen:
Viktor Stråndgard liegt tot in der Kirche vor dem Altar, brutal ermordet.
Die hochschwangere Kriminalinspektorin Anna-Maria Mella nimmt die Ermittlungen auf.
Und auch die Anwältin Rebecka Martinsson, eine alte Freundin des Toten,
kehrt kurz entschlossen in ihre ehemalige Heimat zurück, um Viktors Schwester beizustehen.
Sie ahnt nicht, dass auch ihr die Vergangenheit gefährlich werden kann .
So beginnt das Buch das ich euch heute empfehle
Sonnensturm. von Åsa Larsson Roman
Und es ward Abend, und es ward Morgen, das war der erste Tag.
DASS ER STIRBT, passiert Viktor Strandgärd durchaus nicht zum ersten Mal.
Er liegt in der Kirche der Kraftquelle auf dem Rücken und schaut durch die
riesigen Dachfenster hoch droben. Nichts scheint ihn von dem düsteren Winterhimmel
über ihm zu trennen.
Näher als jetzt kann man gar nicht kommen, denkt er. Wenn man die Kirche auf dem
Felsen am Ende der Welt erreicht hat, dann ist der Himmel so nah, dass man fast
die Hand ausstrecken und ihn berühren kann.
Das Nordlicht schlängelt sich wie ein Lindwurm durch die Nacht. Sterne und Planeten
müssen ihm weichen, diesem ge¬waltigen Wunder aus funkelndem Licht, das sich
gelassen seinen Weg durch das Himmelsgewölbe bahnt.
Viktor Strandgärd folgt dieser Wanderung mit seinen Augen.
Ob es wohl singt, überlegt er. Wie ein einsamer Wal unter dem Himmel?
Und als hätten seine Gedanken es erreicht, hält das Nordlicht für eine Sekunde inne.
Unterbricht seine unaufhaltsame Reise. Betrachtet Viktor Strandgärd aus kalten
Winteraugen. Denn er ist wahrlich schön wie eine Ikone, wie er so daliegt. Das dunkle
Blut wie ein Heiligenschein um seine langen blonden Luciahaare. Jetzt spürt er seine
Beine nicht mehr. Er ist unendlich müde. Er hat keine Schmerzen.
Seltsamerweise denkt er an seinen ersten Tod, während er hier liegt und dem Lindwurm
ins Auge schaut. Damals fuhr er im Spätwinter auf dem Rad den langen Hang auf die
Kreuzung von Adolf Hedinsvägen und Hjalmar Lundbohmsvägen zu.
Fröhlich und fromm und mit der Gitarre auf dem Rücken. Er weiß noch, wie sein
Rad hilflos über das Eis glitt, als er zu bremsen versuchte. Wie er sie von
rechts kommen sah, die Frau in dem roten Fiat Uno. Wie sie einen Blick tauschten,
wie beide im Auge des Gegenübers die Erkenntnis registrierten, jetzt beginnt
sie, die eisige Rutschfahrt in den Tod.
Mit diesem Bild vor Augen stirbt Viktor Strandgard zum zweiten Mal in seinem
Leben. Schritte nähern sich, aber die hört er nicht. Seine Augen brauchen das
funkelnde Messer nicht einmal zu sehen. Wie eine leere Schale liegt sein Körper
auf dem Kirchenboden und wird durchbohrt. Wieder und wieder. Und der Lindwurm
nimmt gelassen seine Wanderung über das Himmelsgewölbe wieder auf.
Viel Spass beim lesen