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#1

Spuren eines Völkermords

in Oper, Theater, Veranstaltungen 15.06.2010 19:58
von Admi • Peter / Admi | 11.334 Beiträge

Eine Ausstellung in Budapest widmet sich dem Massaker von Srebrenica vor 15 Jahren

Das Massaker von Srebrenica im Juli 1995 ist das größte Kriegsverbrechen in Europa seit Ende des 2. Weltkrieges. Das Open Society Archive in Budapest öffnet jetzt bis zum 2. Juli seine Archivordner und bietet einmalige Einblicke in die 15-jährige Arbeit der Ermittler, Forensiker und Pathologen, die Opfer zu identifizieren und die Täter ihrer Strafe zuzuführen.

Es war systematisch geplanter Völkermord, was sich vom 11.-18. Juli 1995 in der Nähe der im Osten von Bosnien gelegenen Stadt Srebrenica ereignet hat: unter der Führung von Ratko Mladic trieben serbische Armeeangehörige, serbische Polizei und Paramilitärs tausende Bosnier zusammen, sortierten über 7000 Männer und Jungen für den Abtransport aus und ermordeten sie auf verlassenem Gelände. Die Leichen wurden in anonyme Massengräber verscharrt und mehrmals umgebettet, um Spuren zu verwischen und die Identifizierung der Opfer zu verhindern.




Vollkommen verhindert wurde die Ermittlungsarbeit zum Glück nicht, aber doch stark erschwert: es dauerte fast 15 Jahre, bis über 6000 Opfer in 80 Massengräbern identifiziert werden konnten. Um einen Einblick in die schwierige Arbeit der Ermittler zu vermitteln, hat das Open Society Archive (OSA) in Zusammenarbeit mit dem Den Haager Kriegsverbrechertribunal und anderen Organisationen eine einmalige englischsprachige Ausstellung zusammengetragen, die dem Besucher Zugriff zu seltenen Dokumenten, Fotos und Filmen erlaubt und ihm die Schrecken von Srebrenica vor Augen führt.

In der Hauptinstallation werden verschiedenste Quellen zusammengetragen und die Systematik des Massakers mit Luftaufnahmen, Skizzen, militärischen Karten, Fotos, forensischen Reports und mehr detailliert rekonstruiert. Am Rande werden die historischen Hintergründe des Massakers und des Bosnienkriegs erklärt. Außerdem hat der Besucher die Möglichkeit, im Lesesaal des Archivs selbst auf Spurensuche im Archivmaterial zu gehen. Äußerst interessant sind auch die jeweils einmal täglich gezeigten fünf Dokumentarfilme, in denen Amateuraufnahmen mit Filmmaterial aus dem Gerichtssaal und Interviews mit Ermittlern, Opfern und Tätern verbunden werden.

Aufgrund des teils verstörenden Inhalts der Dokumente raten die Betreiber dazu, dass sich nur Besucher über 16 Jahre die Ausstellung ansehen! Wer sich aber bereit fühlt, dem Schrecken ins Auge zu sehen, den erwarten einmalige zeitgeschichtliche Einblicke und die erschreckende Feststellung, dass es in Europa vor 15 Jahren möglich war, einen systematischen Völkermord vor unser aller Haustür geschehen zu lassen.

Christian Pasche

„Srebrenica – Exhumation“ im Open Society Archive (bis 2. Juli)
Arany János utca 32, 1051 Budapest
Öffnungszeiten: Dienstag bis Sonntag 10-18h; Eintritt frei
http://www.osaarchivum.org


Bis später
Admi Peter
Uj.Magyar@online.ms


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