Viel hilft Viel
Die „Trófea Grill“ Restaurants in Budapest versprechen zu einem Festpreis unbegrenzten Zugang zum Buffet und Freigetränke im Überfluss. Das verlockend klingende Angebot bedurfte daher einer näheren Überprüfung. Ein Besuch der Filiale in der Király utca brachte Aufschluss darüber, ob sich ein Besuch der Flatrate-Fress-Tempel wirklich lohnt.
Das Prinzip des Ganzen ist schnell erklärt. Für einen Festpreis von 2999 Ft., ca. 10,70 EUR (12-17 Uhr) bzw. 4499 Ft., ca. 16 EUR pro Person (17.30-24Uhr) lässt es sich von Montag bis Freitag unbegrenzt schlemmen. Am Wochenende kostet der Spaß dann schon stolze 4999 Ft. (knapp 18 EUR), in den anderen Filialen können die Preise leicht variieren. Im Preis enthalten sind laut eigenen Angaben sämtliche Vorspeisen, Suppen, Hauptspeisen und Desserts sowie der unbegrenzte Genuss von Bier, Sekt, Wein, Kaffee und allerlei Softdrinks. Der Preis gilt bis 17 Uhr für einen zweistündigen Aufenthalt und am Abend für 3 Stunden. Dem knallhart kalkulierenden Kunden wird jedoch schnell klar, dass er sich für diesen Preis in fast jedem Restaurant in Budapest satt essen kann. Lohnt sich das Ganze dann überhaupt?
Keine Spur von Würstchenbude
Kaum eingetreten, fällt das überraschend edel designete Interieur des Restaurants auf. Wer Würstchenbudenatmosphäre erwartet hat, wird angesichts der in dezenten Brauntönen gehaltenen Stühle und Tische, eines Besseren belehrt. Das Buffet steht jederzeit zur freien Verfügung, daneben gibt es einen Grill an dem man sich ausgewählte Stücke direkt vom Koch braten lassen kann. Die Freigetränke werden durch die Kellner gebracht.
Die Befürchtungen von sich versteckenden Kellnern, wie sie in Budapest stellenweise durchaus zu erleben sind, bewahrheiten sich aber nicht. Ganz im Gegenteil. Das Personal des Trófea Grills erweist sich als sehr flink und zuvorkommend und rückt fröhlich einen Bierkrug nach dem anderen heraus. Der Wein ist zwar sicher nichts für echte Kenner, kommt dem Laien jedoch gut über die Lippen. Auch der Kaffee erweist sich als sehr genießbar und kein leeres Trinkgefäß bleibt lange auf dem Tisch. So soll es sein und so kann man es bei den Grundpreisen auch erwarten.
Wer darüber hinaus auf harte Alkoholika nicht verzichten möchte, kann diese zu durchschnittlich hohen Preisen gesondert dazu bestellen.

Mehr als nur Gegrilltes
Dennoch empfiehlt es sich bei der umfangreichen Getränkeauswahl Zurückhaltung zu üben, um noch Platz für das eigentlich Wichtige zu lassen. Denn Umfang des Buffets weiß die, zugegeben schon recht hohen Erwartungen, noch zu übertreffen. Alle gebotenen Speisen aufzuzählen würde den Rahmen sprengen. Von Salat, Fisch, Schwein, Huhn, Wild bis hin zu Torte und Obst ist alles in mannigfaltigen Variationen vertreten. Nach dem ersten Gang (einem recht abenteuerlichen Mix aus Salaten, Sushi, indischem Hühnchen und Hirschragout in Himbeersoße) wird auch klar, warum so viele Gäste nur still dasitzen und an ihrem Cappuccino nippen. Sie warten, bis sie wieder Hunger
bekommen. Das mag daran liegen, dass neben aller Quantität auch die Qualität nicht zu kurz kommt und es für den Durchschnittsmenschen einige kulinarische Entdeckungen zu machen gibt. Aufgelockert wird das Ganze durch Kellner, die zwischendurch zu allem Überfluss noch Pizza unter den Gästen verteilen.
Nach weiteren Rundgängen am Buffet, findet der Nachmittag mit einer bunten Auswahl verschiedenster Törtchen seinen würdigen Abschluss. Mehr ginge auch wirklich nicht.
In der Ruhe liegt die Kraft
Das Problem aller „All You Can Eat“ Konzepte findet sich auch hier. Man sollte sich ja nicht selbst unter Druck setzten, den Grundpreis durch riesige Portionen im wahrsten Sinne des Wortes wieder rein zu bekommen. Das kann im Nachgang durchaus unangenehme Folgen für das leibliche Wohl mit sich bringen. Wer jedoch eine gesunde Selbsteinschätzung besitzt und über moralische Bedenken bezüglich maßloser Völlerei großzügig hinwegsehen kann, wird mit einem Besuch im Trófea Grill nichts falsch machen. Der stolze Grundpreis wird vor allem in der günstigeren Nachmittagszeit locker wettgemacht. Noch beim Zahlen der Rechnung bietet der Kellner ein weiteres Freigetränk an, welches mangels verfügbaren Platzes jedoch ausgeschlagen werden muss. Noch leicht benommen geht es an die frische Luft. Jetzt wird erstmal eine Woche lang gefastet.
Gregor Schemmel
http://www.trofeagrill.eu