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#1

Kroatiens Wirtschaft auf dem Prüfstand

in über den Zaun geschaut Politik der Nachbar-Länder und Europa 08.07.2011 17:49
von Admi • Peter / Admi | 11.876 Beiträge

Freitag
08. Juli 2011
09:44
Der EU-Beitritt naht, die Wirtschaft kämpft
Gestaltung: Christian Wehrschütz
Moderation: Nadja Hahn

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Noch zwei Sommer, dann wird es ernst. Im Sommer 2013 tritt Kroatien der Europäischen Union bei. Politisch ist das ein großer Erfolg. Aber die Wirtschaft ist darauf noch nicht gut vorbereitet. Jetzt im Sommer, hofft Kroatien auf den großen Geldsegen aus dem Tourismus. Das Geld wird dringend gebraucht, denn die Wirtschaft schwächelt.

Die Arbeitslosigkeit ist hoch, Bürokratie und Korruption schrecken Investoren ab. Viele Bauern kämpfen ums Überleben. Es gibt kaum international konkurrenzfähige Betriebe, und es gibt wenig Unternehmer die sich mit der EU auskennen und damit, wie man aus Brüssel Förderungen bekommt, sagt der österreichische Handelsdelegierte Roman Rauch.

"Die Wirtschaft selbst, hat sich nach meinem Dafürhalten, noch nicht besonders gut darauf vorbereitet; das Erfüllen von EU-Vorschriften, die EU-Qualitätsanforderungen, Aufzeichnungsvorschriften, statistische Vorschriften, absolut noch nicht gewöhnt und müssen in den ca. zwei Jahren bis zum Beitritt das alles noch auf Schiene bekommen, und die Zeit wird schon sehr; sehr kurz dafür."

Jahrelang verfehlte Wirtschaftspolitik
Doch Zeitmangel ist nicht das größte wirtschaftliche Problem Kroatiens; 98 Prozent der 88.000 Unternehmen sind Klein- und Mittelbetriebe; produziert wird vorwiegend für den Heimmarkt; die Arbeitskosten sind – gemessen an der Produktivität – die höchsten in der Region. Durch die Krise gingen die ausländischen Direktinvestitionen drastisch zurück. Die Krise zeige nun die Folgen einer jahrelang verfehlten Wirtschaftspolitik, sagt Rauch.

"Die industriellen Leitbetriebe fehlen eigentlich. Das kroatische Geschäftsmodell in den vergangenen 15 Jahren seit Kriegsende war aufgebaut auf Kredit, auf Dienstleistung, Tourismus und Infrastruktur. Man hat die produzierende Industrie und das Gewerbe eigentlich total vernachlässigt – und jetzt zahlt man den Preis dafür, weil der Wirtschaftsaufschwung nur sehr langsam kommt, und man von der guten Situation in Österreich und in Deutschland nur sehr am Rande profitieren kann."

Geringer wirtschaftlicher Fortschritt
So verzeichnete Kroatien im Ersten Quartal 2011 noch einen Rückgang der Wirtschaft und liegt damit klar hinter den EU-Ländern Mitteleuropas zurück. Im Vergleich mit den anderen Nachfolgestaaten des ehemaligen Jugoslawien hat Kroatien seine Position aus eigener Kraft kaum verbessern können, analysiert Vladimir Gligorov, Wirtschaftsexperte und Sohn des ersten Präsidenten des unabhängigen Mazedonien.

"Im ehemaligen Jugoslawien war in Slowenien die Wirtschaftsleistung pro Kopf etwa doppelt so hoch wie in Serbien, heute ist sie vier Mal so hoch. Was Kroatien betrifft, so lag es bei etwa 60 Prozent der slowenischen Wirtschaftsleistung pro Kopf, jetzt sind es etwa 50 Prozent. Andererseits lag damals Kroatien zehn bis zwanzig Prozent vor Serbien – heute ist das Verhältnis praktisch Zwei zu Eins zugunsten Kroatiens. Zwar ist der Fortschritt Kroatiens gemessen an der Ausgangslage relativ gering, doch abgesehen von Slowenien ist es allen anderen Nachfolgestaaten viel schlechter ergangen."

Fehlender Wille und fehlendes Geld
Natürlich darf nicht vergessen werden, dass auch Kroatien unter den vier Kriegsjahren beträchtlich gelitten hat. Jugoslawien ist ein negativ besetzter Begriff; in Werbespots, die Ängste vor dem EU-Beitritt zerstreuen sollen, wird daher betont, dass die EU zu keiner Neuauflage des alten Jugoslawien führen werde.

Für die konservative Regierung unter Ministerpräsidentin Jadranka Kosor ist der EU-Beitritt der einzig wirklich vorzeigbare politische Erfolg. Nächstes Jahr wird wieder gewählt. Für Strukturreformen fehlt jetzt der politische Wille, für Konjunkturprogramme fehlt das Geld.


Bis später
Admi Peter
Uj.Magyar@online.ms


Das mit dem Alt werden ist kein Problem,
man muss nur lange genug leben und der Tod macht mir auch
keine Angst, hauptsache ich bin nicht betroffen

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