Wir waren schon einige Male in Budapest. Bei unserem letzten Besuch entdeckten wir eine Sehenswürdigkeit, die wir noch nirgends gesehen haben:
Über die Széchenyi Lánchid erreichen wir die kleine Standseilbahn von 1870, sieht aus wie eine Zahnradbahn, zur Burg. Dort angekommen geht es zielstrebig zur Uri utca 9. Diese Adresse ist der Hauptgrund unseres Budapestbesuchs. Hier ist ein Labyrinth. Es ging einige Stufen nach unten und schon waren wir in einer anderen Welt. Ruhige Musik, gedämpftes Licht, überall kleine Tische und Stühle, ein kitschiger bunter Weihnachtsbaum (typisch ungarisch) und fast keine Leute. Der beste Platz also zum Entspannen und Ausruhen.
Schon die ersten in Ungarn erschienenen Menschen fanden in den Kalktuffhöhlen Unterschlupf. Auch später diente das Labyrinth als Luftschutzraum im Krieg und bot für über 10.000 Personen Platz. Aus strategischen und wirtschaftlichen Gründen wurden die Höhlen miteinander und mit den Kellern der Häuser auf dem Burgberg verbunden. Somit entstand ein Labyrinth von über 4000 qm. Irgendwann wurde das Ganze dann zu so einer Art Museum umgestaltet.
Kurz nach den „Bewirtungsgewölben“ kommt die Kasse. Ca. 4 EUR wurden verlangt, man bekam einen kleinen Labyrinth-Führer in sämtlichen Sprachen und es konnte weitergehen.
Mir taten ja die Leute hinter der Kasse leid. Es wirkt ja schon schön, wenn man in das düstere Gewölbe kommt, aber den ganzen Tag dort sitzen würde ich nicht unbedingt wollen. Es ist ja auch kühl und feucht da unten. Außerdem hört man schon an der Kasse das dunkle Pochen, das zur Erdachse führt.
Wer mutig ist, kann sich nach „Ladenschluss“, nachdem die Lichter aus sind, im Labyrinth seinen persönlichen Eindruck machen, indem er sich an einem Faden entlang durchtastet. Leider hatten wir keine Taschenlampen dabei. Mit der Leuchte meiner Videocamera konnten wir wenigstens besser sehen.
Also gingen wir Richtung Weltachse von wo ein dumpfes lautes Pochen kam. Dies soll der Mittelpunkt darstellen von dem aus die kleine geschichtliche Reise beginnt, bei der man von einem Seelenführer, einer roten Steinfigur, die immer wieder mal irgendwo im ganzen Labyrinth auftaucht, begleitet wird.
Interessant ist dann das Urzeitlich Labyrinth. Stiere, Pferde, Mammuts, Hirsche und sonstiges Getier wurden von europäischen Höhlenmalereien nachgemalt. Da es überall recht düster ist, kann man vieles nicht richtig erkennen. Macht aber nichts. Vermeiden sollte man das ewige Blitzlichtgewitter wozu manche Touris neigen. Es stört die Atmosphäre, die auf den geblitzten Bilder auch nicht rüberkommt und da es sich eh nur um Nachahmungen handelt, muss man auch nicht auf die Farben eingehen sondern sollte das mystische an dem Ort genießen.
Durch den Schamanen-Durchgang erreichen wir dann das Geschichtliche Labyrinth. Leicht versteckt findet man in einem Tunnel um zwei Ecken einen Hunnen-Hügel, der eher einer kirchlichen Grotte gleicht als an ein Andenken an die Hunnen. Etwas Unheimliches hat das ganze ja schon und im Gewölbesaal denkt man, dass gleich Dracula um die Ecke spazieren müsste. Vorsicht, die Bögen sind nicht gerade hoch. In der Renaissance-Felsenhalle stößt man dann auf den wunderschönen Rotweinbrunnen aus dem doch tatsächlich Rotwein sprudelt. Gut, sprudeln ist übertrieben aber leise vor sich hinplätschern tut er schon. Lecker!!! Oder doch nicht? Der etwas arg abgestandene, kalte und nicht besonders schmackhafte Rotwein lohnt nicht unbedingt zum Probieren. Wenn man bedenkt, dass das ganze ein gepumpter Kreislauf ist und so ziemlich jeder Touri probieren muss, sehr lecker!!! Er ist mit seinen süßen Efeuranken wohl mehr was fürs Auge.
Im Labyrinth einer anderen Welt trifft man dann auf die Spuren des „Homo consumus“. Versteinerte Abdrücke einer bekannten Getränkeflasche, Müllbergen oder Tastaturen lassen erahnen, was man als Lebewesen in ein paar Millionen Jahren von uns noch finden wird, wenn überhaupt.
Bei harmonischen Klängen in der Efeu-Grotte beenden wir die kleine Reise und können noch eine Ausstellung von Labyrinthdarstellungen früherer Zeiten und Kulturen betrachten. Dann geht es schon wieder Richtung Ausgang. Schon wieder ist gut. Man kann schon einige Zeit im Labyrinth verbringen. Der Besuch aber hat sich gelohnt, schon alleine, weil es keinen so großen Andrang gibt, wie an anderen Sehenswürdigkeiten von Budapest.
Sollte jemand Lust bekommen haben, Taschenlampe nicht vergessen!!