29.08.2011
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Euro-Weisheiten im Faktencheck
von Ulrich Reitz
Hiobsbotschaften aus den strauchelnden Euro-Ländern lassen die Zahl der Kritiker steigen. Weil die Schuldenkrise in Südeuropa grassiert, wünschen sie sich das Ende der Währung. Dabei wird der Euro oft zu Unrecht kritisiert. Ein Faktencheck.
Irrtum 1: Der Euro ist ein Teuro.
Seitdem die D-Mark durch den Euro abgelöst wurde, glauben viele Menschen, es sei deshalb alles teurer geworden. Klar: Die Einführung der neuen Währung hatten viele Gastronomen und Einzelhändler zu teilweise massiven Preiserhöhungen genutzt. Aber mehr als eine gefühlte Inflation war das nicht. In D-Mark-Zeiten lag die Inflationsrate pro Jahr bei durchschnittlich 2,8 Prozent. Seit dem Euro-Start am 1. Januar 1999 sind es weniger als zwei Prozent.
Irrtum 2: Der Euro kostet Deutschland mehr als er bringt.
Deutschland ist der größte Nettozahler der Europäischen Union und überweist pro Jahr zweistellige Milliardenbeträge nach Brüssel. Seitdem der deutsche Steuerzahler nicht mehr nur spanische Autobahnen und portugiesische Bauern unterstützt, sondern auch noch für die leichtsinnige Haushaltspolitik Griechenlands und anderer Pleitestaaten zahlt, herrscht der Eindruck vor, Deutschland profitiere unter dem Strich nicht wirklich vom Euro. Das Gegenteil ist der Fall. Deutschland ist der größte Profiteur des europäischen Binnenmarktes - vor allem, weil es hierzulande eine starke Exportindustrie gibt, die vielen Menschen Arbeit bietet. So stiegen die Exporte in die 17 Länder des gemeinsamen Währungsraumes zwischen 1990 und 1998 um gut drei Prozent pro Jahr. Mit der Euro-Einführung explodierten die Werte - auf zum Teil mehr als neun Prozent.
Irrtum 3: Die strauchelnden Euro-Länder waren schon immer unsolide und hätten den Euro nie bekommen dürfen.
Auf Griechenland mag das zutreffen. Die Finanzdaten, die die griechische Regierung vor der Aufnahme in die Euro-Gemeinschaft in Brüssel abgeliefert hat, waren massiv geschönt. Für die anderen Staaten gilt das nicht. Nur zwei Länder der Währungsunion haben ihre Schulden massiv ausgeweitet und selbst in guten Zeiten nie erreicht, ihre Schulden zu reduzieren: Deutschland und Frankreich. Die übrigen Länder gerieten erst durch die Finanzkrise unter Druck.
Irrtum 4: Wenn Euro-Staaten mehr als sechs Prozent für Staatsanleihen zahlen müssen, führt das zum Bankrott.
Es gab Zeiten, da musste selbst Deutschland höhere Zinssätze bezahlen, um an frisches Geld bekommen. In den 80er Jahren zum Beispiel hatten deutsche Bundesanleihen Kupons von bis zu zwölf Prozent. Auf die Bonität hatte das keinen nachhaltigen Einfluss.
Irrtum 5: In der Euro-Schuldenkrise sind nur deutsche Bundesanleihen sicher.
Im Moment stimmt das. Aber das muss nicht immer so sein. Im letzten Jahrhundert war Deutschland dreimal zahlungsunfähig. Und wirklich entspannt ist die Situation auch derzeit nicht. Die Schuldenquote von mehr als 80 Prozent der Wirtschaftsleistung ist sehr hoch. Die Zurückführung der Schulden wird Probleme bereiten. Wenn die Konjunktur brummt, ist das kein Thema. Wenn es zu einer mehrjährigen Rezession kommen sollte, wird es ernst.
Quelle:
http://www.heute.de/ZDFheute/inhalt/30/0...8333534,00.html