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Ich weise darauf hin, daß von mir gefundene und verlinkte Texte generell nicht unbedingt meiner Meinung entsprechen
Von Peter Bognar
Freitag, 26. August 2011
Regierung erklärt "ungesunden" Nahrungsmitteln den Krieg
Wer sich über den körperlichen Zustand der Ungarn ein Bild machen will, sollte im Sommer einen ungarischen Strand aufsuchen. Er ist geradezu ein Tummelplatz der Fettleibigkeit, die sich insbesondere in Schmerbäuchen manifestiert. Der Embonpoint gilt unter ungarischen Männern von 40 aufwärts gleichsam als „Statussymbol“. Hat man keinen Wanst, ist man sozusagen kein Mann.
Sucht man auf jedem beliebigen ungarischen Strand das obligatorische Buffet auf, hat man dann auch gleich eine Erklärung für die Körperfülle so mancher Zeitgenossen. Gemüse? Ach wo! Frischer Salat? Fehlanzeige. Stattdessen kann man sich an einer Bohnensuppe mit Eisbein, Zigeunerschnitzel mit reichlich Knoblauch und einer Speckschwarte oder Kaldaunengulasch gütlich tun. Hauptsache, es ist Fleisch drin.
Nicht zuletzt wegen ihrer fetttriefenden und schwer verdaulichen Esskultur ist der Gesundheitszustand der Ungarn im europäischen Vergleich schandbar schlecht. In Anbetracht dieser unerquicklichen Situation hat sich die Regierung von Viktor Orbán auf ihre Fahne geschrieben, den Ungarn die ungesunden Essgewohnheiten auszutreiben. Dies will sie nun mit der sogenannten Chips-Steuer tun, die am 1. September in Kraft treten wird.
Extrem fetthaltige Nahrungsmittel bleiben außen vor
Wer indes gedacht hat, dass die neue „Volksgesundheitsabgabe“, wie sie offiziell heißt, gerade bei extrem fetthaltigen und dem Magen nicht gerade bekömmlichen Speisen wie dem Zigeunerschnitzel oder dem Kaldaunengulasch zur Anwendung kommt, der irrt. Die Chips-Steuer wird lediglich auf Nahrungsmittel mit hohem Zucker-, Salz-, Kohlenhydrate- und Koffeingehalt, auf Erfrischungsgetränke mit einem niedrigeren Fruchtgehalt als 25 Prozent, Energiedrinks, vorverpackte Feinbackwaren, salzhaltige Snacks sowie auf einen Teil der Würzmittel erhoben.
Was das Steuermaß angeht, wird die „Volksgesundheitsabgabe“ bei Erfrischungsgetränken fünf Forint und bei Energiedrinks 250 Forint pro Liter betragen, bei vorverpackten versüßten Feinbackwaren wiederum wird sie sich auf 100 Forint, bei Snacks und Würzmitteln auf 200 Forint pro Kilogramm belaufen. Die Einnahmen aus der Chips-Steuer sollen nach den Plänen der Regierung Orbán ins finanzschwache ungarische Gesundheitssystem fließen.
Lebensmittelproduzenten schwant nichts Gutes
Die ungarischen Nahrungsmittelproduzenten können den möglichen positiven Wirkungen der Chipssteuer auf die ungarische Volksgesundheit nicht viel abgewinnen. Sie weisen darauf hin, dass durch die neue Abgabe viele Lebensmittelproduzenten vor dem Aus stünden. Der Hauptsekretär des Verbands der Ungarischen Marken, Zoltán Fekete, malte die Zukunft in düsteren Farben. Laut Fekete werden als Folge der Einführung der Chips-Steuer mindestens vier ungarische Fabriken der Lebensmittelindustrie bis Ende des Jahres stillgelegt. Dies bedeute, dass rund 2.000 Arbeitskräfte ihre Arbeit verlieren werden. Sollten auch die Lebensmittelimporteure mit Kosteneinsparungen und Entlassungen auf die neue Abgabe reagieren, könnte die Zahl der Personen, die ihre Arbeit verlieren sogar auf etwa 4.000 steigen.
Steuer führt zu höheren Preisen und weniger Arbeitsplätzen
Der ungarische Landesverband der verarbeitenden Industrie (ÉFOSZ) stieß ins gleiche Horn. Auch er lehnt die „Volksgesundheitsabgabe“ ab. So hieß aus dem ÉFOSZ, dass die Einführung der Chips-Steuer zu einer Erhöhung der Konsumentenpreise und zum Verlust vieler Arbeitsplätze führen werde. Laut ÉFOSZ ist die Einführung der Chips-Steuer überdies vorschnell und falsch. Der Verband kritisierte diesbezüglich auch, dass der Sektor der Nahrungsmittelproduzenten nicht in die Ausarbeitung der Abgabe miteinbezogen worden sei.