Hallo Jürgen,
Du bist sehr streng mit Frau Gruberova. Ich fordere mehr Nachsicht für die Grande Dame ein. Ich glaube einfach bei ihr und vielen anderen kommen die Formschwankungen einfach auch so zustande, dass sie oftmals einer falschen Programmauswahl zum Opfer fallen (falsche Berater?). Das soll nicht heißen, dass man im Sinne von "Schuster bleib' bei deinen Leisten" beispielsweise von ihr nur Arien aus der Norma hören müsste. Richtige Programmauswahl heißt für mich aber, dass sie ihre - auch durch das Alter bedingte - Veränderung der Stimme ins Kalkül ziehen. Und dies tun sehr viele Grand Dames und Grand Seigneurs der Oper nach meiner Einschätzung leider oftmals nicht. Aber der Fehler passiert auch Jüngeren wie der Garanca, die im Frühjahr in Basel einen sehr schlechten uninspirierten Liederabend mit etwas abenteuerlichem Programm gegeben hat.
Auch ich trage diesem vorgenannten Umstand, aber auch vor allem der generellen Entwicklung des Opernbetriebs, wo zur Befriedigung des in die Jahre gekommenen Abonnenten-Publikums in vielen Fällen sehr biedere Inszenierungen registriert werden müssen. Und dies nicht nur in Budapest oder München. Da zudem bekanntlich die häufige Frequenz eines Opernbesuchs nicht zwingend eine günstige Angelegenheit ist und die Zeiten, in denen mich ein günstiger Stehplatz auch in stundenlangen Opernaufführungen problemlos erfreuen konnte, vorbei sind, habe ich mir in den letzten 10 Jahren zunehmend weniger gegönnt. Selbstredend heißt das natürlich nicht, dass ich einen Opernbesuch nur noch mit dem Tragen von Thrombosestrümpgen ertragen kann. Soweit ist es definitiv noch nicht.
Deine Anregung MüPA mit seinen Wagnerfestspielen nehme ich gerne an. Die sind als nicht zwingend Wagnerianer bislang an mir vorbei gegangen.
Einen angenehmen Tag wünscht aus München
Klaus