Heute Nachmittag, als ich so auf meinem Rasentrecker vor mich hin fuhr, habe ich mir Gedanken gemacht über einen Vorfall, der sich im Herbst letzten Jahres ereignet hatte
Wie ihr bereits wohl wisst, produziere ich, wenn die Äpfel reif werden, Apfelsaft ohne Zusatz- und Konservierungsstoffe, haltbar gemacht nur durch erhitzen.
Weil das auch schon mal viel wird, hab ich ein Schild aufgestellt:
Apfelsaft zu verkaufen, Fl. 150Ft der Liter
Uns Apfelwein für ebensoviel.
Eines Tages, als ich gerade in Lenti zum einkaufen war, komme ich zurück und Renate war ganz total von der Rolle. Was ist geschehen:
Es waren 3 Männer da, die einen Liter Apfelsaft kauften. Als sie bezahlt hatten, zückten sie ihren Ausweis und gaben sich als Finanzamtskontrolleure zu erkennen.
Renate blass, bibber.
Sie verlangten die Gewerbeanmeldung, weil wir doch Saft verkaufen würden.
Alles haben sie verlangt: Ausweis, Wohnbescheinigung, Aufenthaltserlaubnis, Rentenausweis.
Das Geld für den Saft haben sie natürlich zurück verlangt.
Dann haben sie meine total irritierte Frau wieder verlassen. Und weiter haben wir auch vom Finanzamt nichts mehr gehört.
Was ist der Hintergrund:
Jeder, der in Ungarn Umsatz erwirtschaftet muss eine Steuernummer haben und deswegen auch Steuern bezahlen.
Dabei ist es egal, ob das Gewerbe groß oder klein, oder in Deutschland z.B. angemeldet ist.
Angenommen man vermietet Zimmer und bekommt dafür eine, wenn auch geringe, Bezahlung. Da könnte wohl ein Umsatz entstehen, nein, hier könnte nicht nur, sondern hier entsteht faktisch ein Umsatz. Gerade hier ist eine komplizieret Anmeldungsprozedur notwendig auf die ich aber nicht näher eingehen will.
Genau so entsteht in Ungarn die Steuerpflicht, wenn jemand am PC in seinem Haus in Ungarn für eine Firma in Deutschland tätig ist und, meinethalben, Adressen oder Texte schreibt, die per Internet übertragen werden.
Es ist dabei unerheblich, dass die Tätigkeit in Deutschland abgerechnet wird.
In unserem Fall entstand also wieder tatsächlich ein Umsatz und damit eine Steuerpflicht, die jedoch unerheblich war weil wir als Rentner geringe Einnamen haben dürfen, die wir mit unserem Saft und Weinverkauf bei weitem nicht überschreiten.
Zu unserem großen Glück haben wir eine ungarische Steuernummer. Schon seit langem.
Nun denn jedenfalls können wir in der kommenden Saison wieder ohne schlechtes Gewissen unseren Saft und wein anbieten.
Übrigens habe ich sowohl mit dem Weißwein, als auch mit dem Rotwein eine Bronzemedaille bei der Weinprämierung in Nova gewonnen.
Hier Bilder von der Veranstaltung
Hier ernsthafte Verkostung durch Maiken, meine Wenigkeit und Bärbel
Es ist geschafft, wir warten auf das Ergebnis
Gleich 2 Mal
Ganz am Schluss dann die Bronze.
Trotzdem hat es Spass und Freude gemacht, vor allem, weil ich mit netten Leuten zusammen warBesonders Karl aus Barlahida, ihr kennt ihn auch, hat den Saft gerne getrunken und in der Woche sicher 10 l Saft in großen 5l Flaschen von mir geschenkt bekommen. Da kamen gut und gerne 50l zusammen und dann, als der Apfelwein fertig war degustierte er diesen ebenso gerne und in ebensolchen Mengen.
Grosses Lob habe ich von Elfi bekommen, die in Herniék ihr Haus hat. Sie fand die Auswahl an Saft und Wein, die ich ihr an einem gemütlichen Stammtischabend schenkte mit Freude degustiert.
Selbst bis in die Gegend von Dombovar, zu Birgit, ist der Wein gefahren und auch sie schrieb, dass er toll geschmeckt hat, als sie ihn zu gemütlichem Anlass mit ihrem Mann trank.
Lange Rede kurzer Sinn:
Wer also so entspannt etwas nebenbei verdient wie wir hat null Probleme. Aber jeder andere Ungar oder EU- und nicht EU-Ausländer, für den gilt:
Es gibt eine Telefonnummer der Finanzbehörde(APEH) , (auf diese habe ich schon im Fall von Schwarzarbeit hingewiesen) bei der jeder anrufen kann und irgendjemand anonym beim Finanzamt anzeigen kann. Denunziation bringt dem Fiskus einige Milliarden Forint im Jahr, und den denunzierten viel Ärger.
Man sollte also seine kleine oder große Neben- oder Vollbeschäftigung in Ungarn anmelden und hat dann Ruhe.