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Von 155 Euro kann man wunderbar leben
RE: Von 155 Euro kann man wunderbar leben
in Steuern und Abgaben 14.02.2012 19:09von Pusztahedi • Magyar | 118 Beiträge
Hallo Ildiko,
obwohl Du mit Fr. Dr. unterschrieben hast, spreche ich Dich mit Ildiko an, so wie ich es mit allen mache. Ich bin in Ungarn geboren und bin jetzt im Rentenaltern hier, weil ich auch in Ungarn sterben möchte. Mein Vater ist in Budapest gefallen und auch dort begraben. Er hat sein Leben für Budapest gegeben und mir hat er im Leben sehr gefehlt. Auf meinen vielen Urlaubsreisen habe ich mich in meine ung. Heimat verliebt und hatte schon vor Jahren den Wunsch hier einmal zu leben. Die Herzlichkeit und Hilfsbereitschaft der Menschen hat mich sehr beeindruckt. Nun lebe ich seit ca. drei Jahren hier und ich dachte es wird so sein wie ich es von früher her kannte.
Wie viele andere habe ich auch meine Enttäuschungen erlebt. Aber ich werfe nicht alle Menschen in einen Topf. Die Ungarn wissen natürlich, dass wir mit unserer Rente finanziell besser abgesichtert sind und viele sind auch neidisch. Ich selbst habe 42 Berufsjahre hinter mir und habe drei Kinder alleine groß gezogen. Erst vor ein paar Tagen habe ich im Fernsehen eine Statistik gesehen, dass die Ungarn von ganz Europa die kürzeste Lebensarbeitszeit von ca.dreißig Jahren haben.
Ichwurde schon öfters gefragt, ob es stimmt, dass man in Deutschland mehr arbeiten muss, was ich bejahen mußte. Wir kennen die ung. Menschen so, wie sie sich zu uns verhalten. Ich lebe allein und brauche manchmal männliche Arbeitshilfe. Aber bisher hat mich noch jeder betrogen. Ich kenne jedoch auch viele positive Menschen, die ich sehr gerne mag.
Wie Du ja in meinen Berichten gelesen hast, bin ich hilfsberit und sozial engagiert. Auch zeige ich auf meine Art, was man im kleinen machen kann, indemich es vorlebe. Ich glaube, dass gelebtes Vorbild die wirkungsvollste Lebenshilfe ist. Die großen Dinge in Eurem Land müssenschon die Ungarn selber regeln. Dass man von so wenig Geld nicht leben kann ist jedem klar. Aber das zu ändern ist Sache der Regierungsverantwortlichen.
Liebe Grüße von Hedi
RE: Von 155 Euro kann man wunderbar leben
in Steuern und Abgaben 15.02.2012 09:49von molly • Magyar | 130 Beiträge
Hallo Ildiko, darf ich Dich so nennen? Faul oder arbeitsscheu, diese Begriffe habe ich sicherlich nicht verwendet, oder?Leider sehe ich hier in meinem lándlichen Umfeld nun einmal tagtáglich viele, nicht alle, Deiner Landsleute, die schon frúh morgens im Bolt dem Alkohol zusprechen, viele davon haben nur durch den Alkohol ihre Arbeit verloren, wohlgemerkt, sie hatten Arbeit, durch eigene Schuld eingebússt.In Marcali sucht eine grosse Firma Arbeitskráfte im Schichtbetrieb, die Bezahlung ist nicht schlecht,ich hőre die Meinung: Nein, das ist nichts fúr uns, Schicht wollen wir nicht, ja, was soll ich dann denken?Auch in Deutschland weht auf dem Arbeitsmarkt ein rauher Wind,es ist kein Schlaraffenland, wie viele Deiner Landsleute denken, auch da reicht der Sozialhilfesatz kaum aus, um ein menschenwúrdiges Leben fúhren zu kőnnen, deshalb suchen viele Deutsche ihr Arbeitsglúck in der Ferne, ob richtig oder falsch, darúber kann jeder seine Meinung haben, aber jeder ist fúr sich selbst verantwortlich und muss sich zutrauen, auch mal in einem anderen Land sein Glúck zu suchen, gerade, wenn man jung ist und nicht im Selbstmitleid unterzugehen, Weisst Du, ich finde es sehr schade, dass sich wenige Ungarn zutrauen, ihr Leben, fúr welche Zeitspanne auch immer,mal woanders zu meistern.Ich mőchte nicht beleidigend wirken oder arrogant, aber die Hárte im Leben wird oft noch nicht erkannt, wenn Du Interesse dran hast, schreibe ich Dir, oder meine Tochter auf ungarisch, mal einen Abspann, wies hier mit der Ernsthaftigkeit des Lernens auf einem ungarischen Gymnasium aussieht, schon da fehlt mir der Glaube, dass dann die kúnftige Generation hier etwas ándern wird, es gibt Ausnahmen, aber das sind leider nicht allzuviele,auch hier sage ich bewusst nicht: Faul- nein, es fehlt an der Erkenntnis, dass nur Jeder fúr sich was erreichen kann und muss, erst dann gehts der Allgemeinheit gut, wenn ich Dich jetzt in irgendeiner Art und Weise gekránkt haben sollte, es ist nicht beabsichtigt, ich wúrde mich ehrlich úber einen guten Gedankenaustausch mit Dir freuen.
RE: Von 155 Euro kann man wunderbar leben
in Steuern und Abgaben 15.02.2012 13:16von Pusztaqueen • Magyar | 1.489 Beiträge
Hallo Peter,
die Fabrik stellt Metallteile her und bietet Kundenspezifische Lösungen an.
Die Schwester unserer "Perle" arbeitet dor schon seit 5 Jahren und von ihr habe
ich auch die Information. Sie sagt, die Arbeit sei zwar langweilig, aber das Betriebsklima
ist gut. Die erwähnten 90.000 Forint sind übrigens netto, also alle Sozial-, Renten- und
Krankenkassen-Abgaben werden von der Firma entrichtet.
Einer unserer Nachbarn bestellt bei dieser Firma regelmässig größere Mengen
Metallstangen und auch der bestätigt, dass das Auftragsvolumen die Kapazitäten
ständig übersteigt!
Bis bald mal wieder
Pusztaqueen
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RE: Von 155 Euro kann man wunderbar leben
in Steuern und Abgaben 15.02.2012 13:34von PitWild • Tourist/in | 11 Beiträge
Hallo Forengemeinde,
ich lebe in der Nähe von Regensburg, und ich kenne einige Ungarn, die hier arbeiten.
Wenn ich daran denke, wieviele Stunden unsere ungarischen Nachbarn täglich auf dem Bau verbringen, da kann ich nicht von Faul sprechen. Es werden täglich 10 Stunden und das 6 Tage die Woche geleistet.Und alle 5 - 6 Wochen wird für ein verlängertes Wochenende zur Familie nach Ungarn gefahren. Oder eine Bekannte meiner Frau pflegt rund um die Uhr (3 Monate Arbeit 3 Wochen frei)eine dementkranke Frau, für diesen Arbeitslohn findet man keine Deutschen. Auch mein bester Kumpel beschäftigt in München viele "Gastarbeiter". Zitat: Die Fleisigsten und Besten sind die ungarischen Arbeiter.
Das soll nun nicht heissen, dass es keine arbeitscheuen Ungarn gibt, aber die gibt es überall, und ich glaube nicht, dass dieser Prozentsatz in Ungarn größer ist als in Deutschland.
Kenne aber leider nicht die Verhältnisse vor Ort, denke aber das die jetzige Regierung schon auch einen Teil zu der Armut beiträgt.
Wünsche einen schönen Tag aus dem tief verschneiten Regensburg.
Peter
RE: Von 155 Euro kann man wunderbar leben
in Steuern und Abgaben 15.02.2012 13:49von molly • Magyar | 130 Beiträge
Hallo Pit, Du beschreibst Arbeitszeiten in Deutschland, da hast du mit allem Recht, was Du uns hier schreibst, aus dem Alltag von Hier ein kleines Beispiel:eine mittelgrosse Firma in Marcali, mit sehr guter Auftragslage,3-Schichtsystem, Leistungsentlohnung, usw. konnte oft die 3 Schichten nicht besetzen, die Arbeitskráfte blieben zuhause, als am Telefon nachgefragt wurde, was denn los sei, wurde banal geantwortet: wir kőnnen zur Zeit nicht kommen, wir mússen einkochen, ja, da bleibt doch auch dem freundlichsten Unternehmer die Spucke weg, oder nicht?Als es dann an die Lohnzahlung ging, wurden Proteste laut, weshalb so weniG??? die Fehlstunden waren nicht im Gedáchtnis- auch das ist hier der Alltag und keinesfalls selten.
RE: Von 155 Euro kann man wunderbar leben
in Steuern und Abgaben 15.02.2012 14:15von sternebueb • Resident/in | 55 Beiträge
Während der Heu- oder Erntezeit der Fabrikarbeit fernzubleiben ist bei der Landbevölkerung ein tief verwurzeltes Bedürfnis, denn seit Urzeiten garantierte die Ernte die Ernährung. Diese leidige Erfahrung musste auch "Nokia" in Rümänien machen als sie die Fabrikation aus Deutschland der Lohnkosten wegen verlegte.
Ob nun die Ungaren, Griechen, Italiener,Nordeuropäer usw. fleissig oder faul sind ist nicht so einfach zu beurteilen. Der Eine arbeitet hart bis zum Umfallen wird dabei aber nicht Wohlhabend, da er zur falschen Zeit am falschen Ort ist und einem anderen fällt alles in den Schoss.
Gruss sternebueb
RE: Von 155 Euro kann man wunderbar leben
in Steuern und Abgaben 15.02.2012 15:42von Pusztaqueen • Magyar | 1.489 Beiträge
Hallo Sternebueb,
ich glaube nicht, dass es viele Wohlhabende gibt, denen alles in den Schoß gefallen ist. Abgesehen von denen, die "Sohn" oder "Tochter" von Beruf sind. Die meisten anderen haben sich ihren "Wohlstand" schwer erarbeitet und das fing schon bei der Schule/Studium an.
Was ich traurig finde, ist die Tatsache, dass Bauern nicht mehr von ihrer Arbeit leben und ihre Familie zwar ernähren, sich aber sonst wenig leisten können. Und dies trifft verstärkt Länder wie Ungarn, die außer Landwirtschaft nicht viel zu vermarkten haben.
Dadurch entstehen meiner Meinung nach auch viele dieser "Arbeitskonfikte" .........die Ernte muss eingebracht werden, Haus, Hof, Kinder und die Tiere müssen versorgt werden......das lässt sich mit einer geregelten Arbeit schlecht vereinbaren.
Außerdem bleibt vieles an den Frauen hängen, denn die Männer sind vielfach - und auch da muss ich Molly recht geben - dem Alkohol verfallen 
Bis bald mal wieder
Pusztaqueen
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RE: Von 155 Euro kann man wunderbar leben
in Steuern und Abgaben 15.02.2012 15:47von jheubler • Magyar | 160 Beiträge
Ich bin und bleibe der Meinung, dass die EU es (vermutlich durchaus beabsichtigt) vergessen hat einen Mindestlohn festzulegen. Auch die erwähnten 90 KHUF sind gerade einmal 310 Euro. Zu viel zum Sterben, zu wenig um ordentlich zu leben.
Als Sklaverei noch durchaus hoffähig war, gab man den Sklaven ein dürftiges Dach über den Kopf, irgendetwas zum Essen und ein paar Lumpen zum Anziehen. Was, bitteschön, kann man sich im Ungarn 2012 mit 310 Euro mehr leisten?
Pauschale Attacken, ob nun die Ungarn fleißig sind oder faul, die Zigeuner geborene Tagdiebe und Geigenspieler, und die Polen die besten Autodiebe der Welt sind, gehen ohnedies immer daneben. Diese Liste könnte ich nebenbei beliebig verlängern. Sie sind eigentlich stets nichts als eine Beleidigung der genannten Personengruppen.
RE: Von 155 Euro kann man wunderbar leben
in Steuern und Abgaben 15.02.2012 16:25von PitWild • Tourist/in | 11 Beiträge
Hallo Pusztaqueen,
da muss ich dir vollkommen recht geben. Man kann sich mit dem Finanzsektor "Dumm und Deppert" verdienen. Aber mit der Hände Arbeit (Bauern) reicht es gerade, um sich und die Familie zu ernähren.
Da läuft etwas seit langem falsch, aber wer keine Lobby hat (die haben nur die Großbauern) kann auch aus Brüssel nicht viel erwarten.
Ich war selbst einige Zeit in der Politik aktiv, und da wirst Du ganz schön von bestimmten Leuten bedrängt in Ihrem Sinne zu entscheiden.
Das war auch ein Grund warum ich aus der politik ausgestiegen bin.
Servus
Peter
RE: Von 155 Euro kann man wunderbar leben
in Steuern und Abgaben 15.02.2012 16:25von ZalaKlaus • Magyar | 217 Beiträge
Viele der vorgenannten Eindrücke zur Arbeitsbereitschaft/-moral und der vorgegebenen Bedingungen insbesondere auf dem Land sind sicherlich richtig. Ich möchte aber gerne hierzu noch zwei Aspekte in die Diskussion einbringen, einerseits sehe ich große Unterschiede bei der Wahrnehmung von Chancen auf dem Arbeitsmarkt, die einfach sehr stark von der individuellen Bereitschaft abhängig sind, und andererseits glaube ich, dass auch in den über zwanzig Jahren nach der politischen Wende bei manchen Ungarn immer noch eine Art postkommunistische Mentalität vorzufinden ist. Erstere Gruppe ist durchaus bereit, auch in das Ausland oder Großstadt zu gehen und dort gutes Geld zu verdienen, oftmals auch als Wochenendpendler mit all den Nachteilen im familiären Bereich. Die Anderen sind eher immer noch an eine Mentalität des Anspruchsdenkens gebunden, der Staat müsse es im Zweifelsfall wie auch immer richten (ausreichende Sozialzuwendungen, Arbeitsplatzgarantie durch Staatsbetrieb als kleine Auswahl der immer gehörten Argumente). Diese Gruppe ist sicherlich kein ungarisches Phänomen. Die hier anzutreffende vorgenannte Mentalität ist gemäß EU-Studien sehr stark auch noch in anderen postkommunistischen Gesellschaften anderer ehemaliger Ostblockländer innerhalb der EU, insbesondere bei der ländlichen Bevölkerung, zu identifizieren. Da sich der Einzelne nur sehr schwer aus eigenem Antrieb und Fähigkeit von dieser Einstellung lösen kann, sehen Sozialwissenschaftlicher bei dieser Gruppe übrigens am stärksten den Staat mit seiner Arbeitspolitik in der Pflicht. Hier werden vor allem gesetzlich abgesicherte Mindestlöhne als probater Anreiz für die Erhöhung der Arbeitsbereitschaft angeführt, was genau in die Kerbe meines Vorposter jheubler schlägt. Als positives Beispiel wird immer wieder Tschechien genannt, wo der Umdenkprozess weg von der postkommunistischen Anspruchshaltung hin zur individuellen Eigenverantwortung in einem staatlich abgesicherten Einkommensrahmen (Mindesteinkommen, moderate, aber ausreichend vorhandene Arbeitnehmerrechte) offensichtlich am besten funktioniert hat. Ungarn benötigt im letztgenannten Bereich dringend eine ähnliche Aufwärtsentwicklung, da es bekanntlich immer noch über die geringste Beschäftigungsquote in der ganzen EU verfügt.
Bei Bewertung des übermäßigen Alkoholkonsums als Indiz für eine mögliche mangelnde Arbeitsbereitschaft bin ich immer ein wenig vorsichtig, da es für mich nicht eindeutig ersichtlich ist, ob er die Leute per se vom Arbeiten abhält oder dieser die Folge dafür ist, weil sie so ihre missliche Lage - ohne Arbeit, ohne festes Einkommen - kompensieren wollen. Insgesamt führt dies deshalb meiner Meinung nach immer gerne zu Pauschalvorverurteilungen, die selten der individuellen Situation gerecht werden können.
Beste Grüße aus München
Klaus
RE: Von 155 Euro kann man wunderbar leben
in Steuern und Abgaben 15.02.2012 17:10von Pusztaqueen • Magyar | 1.489 Beiträge
Das ist mal wieder eine Diskussion wie ich sie liebe.......sachlich, auch wenn teilweise unterschiedliche Meinungen aufeinander prallen 
@jheubler: ich glaube, dass eine Mindestlohn Festsetzung nur eine Verschiebung des Problems wäre. Ein Pole, der beispielsweise als Erntehelfer in Deutschland arbeitet, kann mit dem geringen Lohn, den er spart und mit nach Hause nimmt, schon was damit anfangen. Deutsche können davon nicht mal ihre Miete zahlen, abgesehen davon, dass sie die schwere körperliche Arbeit nicht leisten können/wollen.
Natürlich hast du recht, dass 90.000 Forint sehr wenig sind, aber man muss auch mal sehen was die Firma für ihre Leistung in Rechnung stellen kann. Das Unternehmen floriert ja nicht zuletzt deshalb so gut, weil es günstige Preise bietet. Die Großaufträge würden sie bestimmt nicht bekommen, wenn es sich für die Kunden nicht lohnen würde..........
Bis bald mal wieder
Pusztaqueen
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RE: Von 155 Euro kann man wunderbar leben
in Steuern und Abgaben 16.02.2012 07:29von jheubler • Magyar | 160 Beiträge
Vielen Dank für deine Antwort.
Geiz ist geil, nicht?
Wenn also Mindestlöhne das Problem über die Grenzen der EU hinaus verschieben, wie könnte man darauf reagieren? Wie hat man in der Vergangenheit auf ähnliche Situationen reagiert? Hat man sich Kinderarbeit gefallen lassen, oder hat man die davon profitierenden Konzerne bloß gestellt? Hat man nicht auch öffentlich gemacht, unter welchen Bedingungen internationale Konzerne in armen Ländern produzieren? Warum sollte man das nicht weiter machen? Der europäische Wirtschaftsraum hat auch die Möglichkeit der Verhängung von Zöllen. Aber:
Es ist schon klar, dass beispielsweise die USA bei chinesischen Menschenrechtsverletzungen ruhig sein müssen: Immerhin kommen mehr als ein Viertel aller Kredite für die USA aus China. Ist es klug sich in eine solche Abhängigkeit zu begeben und wie viel Einfluss hat wohl China heute schon in Europa? Als DER Wachstumsmarkt und Kreditgeber? Meine Damen und Herren: Für Bares tun wir alles, nicht nur Wahres!
Die Argumentation pro der Firma mit den günstigen Konditionen ist genau die gleiche, wie für die Sklaverei: Weniger Kosten, günstigere Preise, mehr Profit. Dennoch ist Sklaverei (zumindest nicht so offen) derzeit nicht so gerne gesehen, oder?
So kann die Argumentation wohl kaum ein Grund für menschenunwürdige Ausbeutung sein. In allen diesen Bereichen (Ausbeutung, Kinderarbeit etc.) wird dann noch das Argument angeführt, dass die Betroffenen sonst gar nichts hätten. An die Möglichkeit einer fairen Behandlung wird gar nicht gedacht.
RE: Von 155 Euro kann man wunderbar leben
in Steuern und Abgaben 16.02.2012 13:05von Archange • Magyar | 141 Beiträge
Hallo liebe Diskusionsbeteiligten,
ich lese nun die Beiträge zu diesem Thema von Anfang an mit und hätte schon so gerne öfters mal etwas dazu geschrieben. Nun bin ich aber ein Mensch der es sich im Laufe der Zeit zur Gewohnheit gemacht hat, nach folgendem Grundsatz zu leben: Sich über ein Problem zu äussern, wenn man nicht wenigstens einen Lösungsansatz dafür hat, ist relativ sinnfrei. --Ich habe keinen Lösungsvorschlag....nicht mal im Ansatz--Ich schreibe also nur meine Sicht der Dinge !
Ich bin zwar auch, wie viele meiner Vorposter, der Meinung, dass es nicht toll ist, wie es zur Zeit hier läuft, ob nun bezüglich des Arbeitsmarktes, der neuen Gesetze, der Randgruppenpolitik, oder der wirtschaftlichen Situation an sich. Aber was erwarten wir denn ?? Ungarn muss nach vielen Jahren der gewollten, oder staatlich verordneten Misswirtschaft vieles wieder aufholen und aufarbeiten. Ich bezweifele stark, dass in irgendeiner Schublade ein Kuvert mit der komplett vernünftigen Gesammtlösung rumliegt.
Wie andere Länder auch wird wohl auch Ungarn klein anfangen müssen und es sollte dann sicher nicht mit Maßstäben von bereits weiter forgeschrittenen Ländern gemessen werden. Vor 40-50 Jahren waren doch die Probleme in Deutschland auch nicht so anders. Auch da wurden, nach heutiger Auffassung Arbeiter ausgebeutet und vieles andere war im Argen. Um eine Wirtschaft in einem Land das bisher diesbezüglich nicht allzu ernst genommen wurde aufzubauen müssen natürlich Abstriche gemacht werden...auf beiden Seiten. Also unsere Eltern, oder Grosseltern haben auch hart dafür gearbeitet, damit es uns mal besser geht (oder wer kennt diesen Spruch nicht) ....so kann ich als Arbeiter hier auch nicht gleich das "besser gehen" erwarten ohne vorher nicht auch hart gearbeitet zu haben, oder ?
Ich war in meinem aktiven Berufsleben sicher nie ein Schleimer, oder bin in irgend einer Form obrigkeitshörig....eher das Gegenteil...und trotzdem habe ich eines immer feststellen können: Wenn es meinem Chef gutgeht, gehts mir auch nicht schlecht. Also lieber mal in den sauren Apfel beissen und ein wenig länger und härter arbeiten, es hat sich noch immer positiv ausgewirkt, zumindest auf längere Sicht hin.
Ralf-Peter
Begründe nichts mit Geisteskrankheit,
was sich auch mit einer
defekten Tastatur erklären lässt.
RE: Von 155 Euro kann man wunderbar leben
in Steuern und Abgaben 16.02.2012 16:22von Pusztaqueen • Magyar | 1.489 Beiträge
Hallo Karl,
ich gehöre mit Sicherheit nicht der "Geiz ist geil - Fraktion" an!!! 
Ganz im Gegenteil - ich kaufe öfter hier im Dorf in einem kleinen Laden ein, obwohl die Preise (logischerweise) höher sind, als in anderen Geschäften. Aber ich denke mir, die haben es schwer genug, arbeiten jeden Tag (auch Sonn- und Feiertag) und es wäre schade, wenn der Laden zusperren müsste.
Ich handle gerne in Geschäften, aber wenn es sich um Handwerker handelt, die ihre selbst hergestellten Waren anbieten, lasse ich sie auch gerne was verdienen.
Unsere 2 "fleissigen Helfer" werden besser bezahlt als es hier üblich ist, inkl. Krankenkasse und Benzingeld, sowie Feiertagszuschläge wenn wir sie mal am Wochenende brauchen. Wir ziehen sie auch über den Winter mit, obwohl wir sie -ohne Gartenarbeit - wenig benötigen.
Dies sind nur ein paar Beispiele, aber soweit es mir möglich ist, unterstütze ich mein Umfeld wo ich nur kann.
Aber das ist hier eigentlich nicht Thema, genausowenig wie Kinder- oder Sklavenarbeit. Es gibt sowas wie Marktwirtschaft. Wenn ein Betrieb keine Aufträge hat, muss er schliessen und somit werden wieder x Arbeitsplätze vernichtet. Es ist ja nicht so, dass sich der Inhaber eine goldene Nase verdient und seine Angestellten für einen Hungerlohn arbeiten lässt (wie eben bei Sklaven- oder Kinder-Ausbeutern).
Ich denke, man sollte das alles in Relation sehen ..........wenn Firmen (ich will jetzt keine Namen nennen) durch die Produktion ihrer Waren in z.B. Fernost Milliarden scheffeln, weil sie ihre Produkte zu Minimalpreisen an den Endkunden anbieten können, dann kann ich das nur boykotieren - ich kaufe grundsätzlich nichts in diesen Geschäften! Aber ich verurteile auch niemanden, der, weil er sich eben nicht mehr leisten kann, auf diese billigen Produkte angewiesen ist.
Wie Ralf-Peter schon richtig anführt, Ungarn muss klein anfangen um hoffentlich bald wieder größere Schritte machen zu können - tun wir unser Möglichstes dazu!!! 
Bis bald mal wieder
Pusztaqueen
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