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Stichworte; was man denkt, denkt man an Ungarn

in Ungarn Reisen, Land & Leute 10.01.2013 18:06
von Peterbacsi (gelöscht)
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Hochzeitsbräuche
Bauernhochzeiten sind das meistgespielte Unterhaltungsprogramm für Ungarnurlauber. Dabei führen die Eltern dem werbenden Bräutigam zuerst die weniger attraktiven Töchter vor, um sie unter die Haube zu bringen, bevor sie mit der richtigen herausrücken. Bräuche spielen aber auch bei echten Hochzeiten eine Rolle. So zieht die frisch gebackene Ehefrau um Mitternacht rote Stiefel an. Wer dann mit ihr tanzen möchte, muss zahlen.

Einen Polterabend gibt es in Ungarn nicht. Porzellan wird dennoch zerschlagen, und zwar gegen Ende der Hochzeitsfeier. Das Brautpaar muss, sozusagen als erste gemeinsame Handlung, die Scherben zusammenkehren.

Kaffeehaustradition
Budapest hatte um 1910 herum etwa 500 Kaffeehäuser, und nicht wenige wurden als Intellektuellentreffpunkte zum Mythos. Heute erlebt die schöne kávéház-Tradition eine Renaissance. Der Klassiker, das Kaffeehaus Gerbeaud, hat Gesellschaft bekommen: In neuem, altem Glanz erstrahlt beispielsweise das Café Centrál, und auch das berühmte New York wurde im Hotel New Palace wiedereröffnet. Im übrigen Land sucht man jedoch meist vergeblich nach einer attraktiven Adresse, erst recht in Kleinstädten und Dörfern. Außerhalb Budapests verbreiteten sich die sogenannten Espressos (eszpresszó). Hier werden, meist in einfachem Ambiente, Kaffee und belegte Brötchen serviert. In der Hauptstadt selbst gibt es neben den traditionellen Kaffeehäusern auch zahlreiche angesagte Szenecafés.

Männer am Kochtopf
Ein Ungar am Herd? Am heimischen gewiss nicht. Aber wenn es um Ruhm, Ehre und Preise geht, packt Ungarns Männer die Kochleidenschaft - ob bei dörflichen Sommerfesten oder beim Gulaschfestival in Budapest, bei dem auch Politiker und Diplomaten am Herd stehen. Das Kochfestival „Auf den Spuren der königlichen Köche“ in Nagyszakácsi ist ein dreitägiges Volksfest mit Umzug, Musik und Historienspielen. Die Renaissance gibt den Ton an, denn in Nagyszakácsi fand der Renaissancekönig Matthias seine besten Köche. Die Zubereitung der halászlé (Fischsuppe) haben die Herren der Schöpfung ganz für sich reserviert, denn sie ist die Krönung einer Passion ungarischer Männer: des Angelns.

Musikleben
Im Land von Franz Liszt, Béla Bartók, Zoltán Kodály und des Operettenkönigs Emmerich Kálmán spielt die Musik eine große Rolle. Die Musikerziehung hat eine lange Tradition und wird intensiv gepflegt. Budapester gehen mit Begeisterung ins Theater, und die Ensembles und Solisten der großen Hauptstadtbühnen genießen internationalen Ruf. Aber auch Städte wie Pécs, Győr, Debrecen und Szeged haben hervorragende Ballett- und Opernensembles. Ungarnbesucher kommen nicht nur im Rahmen des normalen Programms in den Genuss der Kunst: Von Budapest über Sopron und Győr bis Debrecen und Szeged werden renommierte Sommerfestivals veranstaltet.

Puszta
Das Wort „Puszta“ verbreitete sich in Ungarn Ende des 17., Anfangdes 18. Jhs. als Bezeichnung für die nahezu menschenleere, durch die Türkenherrschaft verwüstete Tiefebene. Es bedeutet „öde“, „Ödnis“. Das Wort wird aber auch in anderem Sinnzusammenhang verwendet: Rund um den Plattensee gibt es eine Reihe von Ortsbezeichnungen mit dem Wortbestandteil -puszta, zum Beispiel Szántódpuszta. In diesem Fall sind mit Puszta die Wirtschaftsgebäude eines Gutes gemeint, die in einiger Entfernung zum Dorf lagen.

Religion und Kirchen
Selbst kleine Dörfer haben üblicherweise zwei, nicht selten sogar drei Kirchen. Dieser Reichtum ist eine Folge der Geschichte: Nach Beendigung der türkischen Besetzung traten die Lehren Martin Luthers ihren Siegeszug an. Ende des 16. Jhs. spaltete sich die protestantische Bewegung, die vorherrschende Richtung bildeten die Kalvinisten oder Reformierten. Ab Mitte des 17. Jhs. begann eine massive Gegenreformation, und die Mehrheit der Bevölkerung nahm wieder die katholische Religion an. Um die Kirchen unterscheiden zu können, schaut man am besten auf die Turmspitze: Die katholischen und evangelischen tragen ein Kreuz, die reformierten einen Stern.

Einer der renommiertesten modernen Kirchenarchitekten ist Imre Makovecz. Der Anhänger der organischen Architektur arbeitet vorwiegend mit Holz und schafft imposante Räume, die gigantischen Skulpturen ähneln. Er baute Gotteshäuser wie die Heilig-Geist-Kirche von Paks (1988-90) und die evangelische Kirche von Siófok (1990).

Schlösser
Um die 700 Schlösser und Herrenhäuser stehen in Ungarn unter Denkmalschutz. Viele dieser Adelssitze sind mit den großen Namen der ungarischen Aristokratie verbunden. Wer von Westen kommt, sieht z.B. bei Sopron das Széchenyi-Schloss, im nahen Fertőd das imposante Schloss der Fürsten Esterházy, in Keszthely am Balaton das Schloss der Festetics, nahe Budapest Schloss Martonvásár der Brunswick-Familie und nördlich der Hauptstadt das berühmte „Sisi“-Schloss Gödöllő der Grassalkovich-Familie.

Sprache
Die einzigartige ungarische Sprache gehört zur finno-ugrischen Sprachfamilie. Wichtig zu wissen: In Ungarn wird der Familienname vorangestellt - steht auf einer Visitenkarte Balogh István, lautet der Vorname István und der Nachname Balogh. Und beim Datum schreibt man zuerst das Jahr, dann den Monat, dann den Tag. Auch wenn Sie kein Ungarisch sprechen: Mit Deutsch oder Englisch kommen Sie auf Ihrer Reise meist gut zurecht.

Thermalbäder
Das orientalische Flair des Rudas- und des Király-Bades in Budapest zeugt von der Badekultur der Türken im 15. Jh. Sie genossen, wie schon die Römer, den Thermalwasserreichtum Ungarns. Bislang sind im Land über 1000 Thermalquellen bekannt, davon 350 mit Heilwirkung. Dieser natürliche Schatz macht Ungarn zu einem Tummelplatz für Kur- und Wellnessgäste. Das westungarische Hévíz, der bekannteste Kurort, verfügt über ein ausgezeichnetes Angebot an Kur- und Wellnesshotels. Andere Orte haben nachgezogen, in Westungarn beispielsweise Harkány, Zalakaros, Bük, Sárvár, Balf, Mosonmagyaróvár, Győr und der Höhlenkurort Tapolca. In Ostungarn ist Hajdúszoboszló der populärste Thermalkurort. Gute Bäder haben auch Debrecen, die nette Kleinstadt Gyula sowie Eger und Miskolc-Tapolca im Nordosten. An und nahe dem Fluss Theiß sind die Orte Tiszaújváros, Tiszafüred und Berekfürdő sowie das familiäre Tiszaörs mit Thermalwasser bzw. Thermalbädern gesegnet.
Trinkregeln und Trinksprüche

Biertrinker, aufgepasst: Mit Bier anzustoßen ist in Ungarn ein Fauxpas! Warum? Weil 1849 - nach dem gescheiterten Freiheitskampf gegen die Österreicher - 13 Generäle auf Befehl von Kaiser Franz Joseph I. hingerichtet wurden und die Henker mit Bier feierten. Studenten stoßen heute schon mal mit dem augenzwinkernden Zusatz „Haynau soll sterben“ kräftig an: Julius Jakob Haynau war der für die Exekutionen zuständige Militärbefehlshaber. Apropos Augenzwinkern: Mit den vertrackten ungarischen Ausspracheregeln werden Urlauber beim Trinken gern aufs Glatteis gelockt. Egészségedre, „Auf Deine Gesundheit“: Diesen Trinkspruch hat der Gast schnell drauf - denkt er! Meistens kommt jedoch die Aussprache von egész seggedre dabei heraus. Und das heißt: Auf Deinen ganzen A... Also ein Prosit auf den ganzen Allerwertesten. Eine Mordsgaudi für die Ungarn!

Zigeunermusik
Die Zigeunermusik war ein Markenzeichen Ungarns - und wird mit jedem Jahr seltener. Inzwischen beschäftigen nur noch so wenige Restaurants eine Zigeunerkapelle, dass zu Recht vom Aussterben einer kulturellen Institution die Rede ist. Dabei fehlt es nicht an talentierten Musikern. Die Jüngeren - nicht wenige von ihnen tragen den Namen einer großen Musikerdynastie wie Lakatos - müssen ihre Zukunft in anderen Formationen, beispielsweise in Jazzensembles, suchen. In Kombination mit der insgesamt starken Ausgrenzung der Zigeuner verlieren sie mit dem Verschwinden der Kapellen aus Restaurants und Hotels leider auch noch einen der letzten Orte gesellschaftlicher Akzeptanz.

Zopfstil
Dieser Begriff begleitet zahlreiche Sehenswürdigkeiten in Ungarn: sakrale Bauten wie die Große Kirche in Kecskemét, Paläste wie den Bischofspalast in Szombathely, Schlösser wie Schloss De la Motte in Noszvaj, repräsentative Bauten wie das Budapester Rathaus und viele Bürgerhäuser. In Ungarn ist der Zopfstil die dominierende Stilvariante des Barock. Hinter dem Wort steht eine gute Portion Herablassung: Während die adeligen Bauherren, die den Barock prägten, den echten Kunstverstand für sich reklamierten, wurde dem eher bürgerlich dominierten Baustil des Spätbarock das Wörtchen „Zopf“ angeheftet, um ihn - in Anlehnung an die aus der Mode gekommene Zopfperücke - als altmodisch zu deklassieren. Der Zopfstil ist stark vom Klassizismus geprägt, weist aber auch spätbarocke Elemente wie zopfförmige Blatt- und Blumengirlanden auf. Möglicherweise geht die Namensgebung auch auf diese Formensprache zurück.


Bis später
Peter
Wer Rechtschreibfehler findet, darf Sie behalten! Karl Valentin: „Früher war die Zukunft auch besser.“

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Kleine Saft-u.Weinkellerei
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