Neues Ungarnforum - das Forum für Residenten in ganz Ungarn

#1

Bräuche zu Ostern in ungarn

in Ungarn Reisen, Land & Leute 12.04.2009 16:46
von Peterbacsi (gelöscht)
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In Ungarn ist der spannendste Osterbrauch das "Oster-Gießen"
Gemeint ist damit die Mädchen werden begossen, wie man eine Pflanze gießt, wenn man möchte dass es blüht und gedeiht.
Noch vor 50 Jahren tat man das "Oster-Gießen" mit einem Eimer voll Wasser, was später dann mit Sodawasser etwas abgeschwächt durchgeführt wurde.
In den ländlichen Gebieten kommt es bis heute noch in diese ursprüngliche Form vor.
Die modernere Version, die auch in Städten heute noch gelebt wird, ist die Mädchen mit Parfüm ode Eau de Collogne zu bespritzen und dazu ein Ostergedicht zu sagen.
Diese kurzen Gedichte sind immer gute Wünsche zum Blühen und Gedeihen.
Im Gegenzug schenkt das Mädchen bzw die Frau dem Herren einen Osterei.
Viele geben heute auch Geld.
Es ist ein sehr schöne Brauch, denn am Ostermontag ziehen die Väter mit den Söhnen los und besuchen an diesem Tag Verwandtschaft, Freunde und Nachbarn.
Und die Damen sind zu Hause und warten auf die Besucher mit gedecktem Tisch.
Hier der Beweis!

Bis später
Peter


Es ist schwieriger, eine vorgefaßte Meinung zu zertrümmern als ein Atom. Albert Einstein

zuletzt bearbeitet 12.04.2009 16:49 | nach oben springen

#2

RE: Bräuche zu Ostern in ungarn

in Ungarn Reisen, Land & Leute 13.04.2009 19:08
von Jule und Janos • Mitglied | 2.022 Beiträge


Danke für die Info - das war mir schon auch ein Anliegen, was es in Ungarn eigentlich für Bräuche gibt - letztes Jahr hat ein Nachbar so was angedeutet, ich konnte mir aber darunter nicht wirklich was vorstellen - nun kenne ich diesen Brauch auch! In der Nachbarschaft ist laute Musik und Stimmengewirr - vermutlich wird dort so gefeiert - es sind Zigeuner, die lustiges Treiben veranstalten, wie man über den Garten hören kann.

Jule und Janos


Älter werden ist nichts für Feiglinge!
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#3

RE: Bräuche zu Ostern in ungarn

in Ungarn Reisen, Land & Leute 16.04.2009 09:32
von victor (gelöscht)
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Hallo zusammen,
also bei uns wird Gott sei dank auch mit Parfüm gesprüht, nur stinkt man tierisch, wenn 10 Verschieden Parfüms auf einem sind. Die Männer bekommen Schnaps, Bier usw. Kinder Schokolade und Geld. Bei uns geht das so, wenn morgens früh jemand zum zum besprühen und man noch nicht wach ist bzw. angezogen, dann wird man stattmit Parfüm mit Wasser nass gespritzt, deshalb stehe ich immer, wenn wir an Ostern in Ungarn sind am Ostermontag sehr früh auf.
Liebe Grüße Anke


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#4

RE: Bräuche zu Ostern in ungarn

in Ungarn Reisen, Land & Leute 16.04.2009 10:00
von Jule und Janos • Mitglied | 2.022 Beiträge


Aha!
Ich kenne früh aufstehen von Pfingsten, da ist derjenige, der zuletzt aufsteht, der Pfingstlümmel!

An Ostern haben wir zu meiner Kinderzeit Osterwasser geholt - von eine Quelle in der Nähe, dabei durfte nicht gesprochen werden, was für mich ziemlich schwer war! Man sagte mir damals, wenn ich nicht still sie, müsse ich immer mein Leben lang viel Reden - hat sich bewahrheitet!

Werden in Ungarn auch Ostereier versteckt oder wie wird wann sowas gemacht hier?

LG

Jule und Janos


Älter werden ist nichts für Feiglinge!
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#5

Frauen bespritzen, sich selbst betrinken

in Ungarn Reisen, Land & Leute 01.04.2012 19:41
von Peterbacsi (gelöscht)
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spiegel online
Osterbräuche in Ungarn

Sie ziehen ihre Kinder an den Köpfen hoch, bespritzen sich mit Wasser und nageln sich an Holzkreuze:
Menschen auf aller Welt gedenken mit ganz speziellen Bräuchen der Auferstehung Jesu.

Eine ungarische Eigenart zu Ostern ist das "Begießen" der Frauen und Mädchen am Ostermontag, ungarisch "locsolás".
Hintergrund dieses Rituals ist ein vorchristlicher Fruchtbarkeitsbrauch.

Die Männer besuchen die Frauen aus der Familie und aus dem Freundeskreis und besprengen sie mit Parfum. Dafür werden sie mit Ostereiern, Kuchen und Alkohol bewirtet. Weil Letzteres oft im Übermaß verabreicht wird, muss die Polizei an diesem Tag Sonderschichten schieben: Betrunkene Autofahrer trifft man am Ostermontagabend häufig.


Bis später
Admi
Wer Rechtschreibfehler findet, darf Sie behalten!

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#6

RE: Frauen bespritzen, sich selbst betrinken

in Ungarn Reisen, Land & Leute 02.04.2012 19:03
von Gelöschtes Mitglied
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Man möge mir Ostereier, Kuchen und Alkohol vorbei bringen, denn nach so viel Essen kann man doch nicht mehr hinters Steuer sitzen!


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#7

RE: Frauen bespritzen, sich selbst betrinken

in Ungarn Reisen, Land & Leute 03.04.2012 08:30
von Peterbacsi (gelöscht)
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Warum gehst du jetzt als Frau durch?


Bis später
Admi
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#8

RE: Frauen bespritzen, sich selbst betrinken

in Ungarn Reisen, Land & Leute 03.04.2012 17:08
von Gelöschtes Mitglied
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Zitat: "Dafür werden sie mit Ostereiern, Kuchen und Alkohol bewirtet." Zitat ende.

Also bin ich doch auf der richtigen Seite ...


Viele Grüsse
aus dem Zalaland
Ursus


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#9

RE: Frauen bespritzen, sich selbst betrinken

in Ungarn Reisen, Land & Leute 03.04.2012 17:15
von Peterbacsi (gelöscht)
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Du müsstest dann schon hin und die ganzen Frauen bespritzen und nicht umgekehrt


Bis später
Admi
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#10

RE: Frauen bespritzen, sich selbst betrinken

in Ungarn Reisen, Land & Leute 03.04.2012 22:50
von Gelöschtes Mitglied
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Ok, ich seh schon, ich brauch nen Chauffeur ...

... und eine Giesskanne!


Viele Grüsse
aus dem Zalaland
Ursus


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#11

Brauchtum und Sitten in Ungarn

in Ungarn Reisen, Land & Leute 18.10.2012 22:58
von Martha • Mitglied | 1.829 Beiträge

Hallo, liebe Forumsmitglieder!
Es würde mich freuen, wenn wir uns über Gebräuche und Sitten in Ungarn austauschen könnten! Es gibt soviele Bräuche, die es in Deutschland/Österreich/Schweiz nicht gibt. Wir lieben sie oder wir finden sie blöd, wir staunen darüber oder wir regen uns auf. Wir nehmen sie mit nach Hause oder wir freuen uns jedes Jahr darauf...............

Die Gebräuche sind natürlich sehr von der katholischen Religion geprägt, doch unterscheiden sie sich teilweise nach den jeweiligen Regionen. Manche Traditionen verschwinden auch allmählich, weil sie von den Jüngeren nicht mehr praktiziert werden.

Macht Ihr mit? Ich werde mich gerne mit meinen Erlebnissen daran beteiligen.


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#12

RE: Brauchtum und Sitten in Ungarn

in Ungarn Reisen, Land & Leute 19.10.2012 08:23
von poetindoris (gelöscht)
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Ich finde das eine sehr gute Idee, da gäbe es für mich eine Menge zu lernen. Mir fällt dazu gerade der "Brauch" ein, im Vorgarten einen vertrockneten Baum aufzustellen mit vielen bunten Krügen dran. Weiß jemand etwas dazu? Mein Nachbar hat mir erklärt, das hätte nur den Sinn, die Krüge nicht in den feuchten Lehmbauernhäusern zu lagern, wo sie gerne schimmelig werden, sondern eben ganz luftig draußen. Stimmt das?


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#13

RE: Brauchtum und Sitten in Ungarn

in Ungarn Reisen, Land & Leute 19.10.2012 10:15
von Admin • Administrator | 21.590 Beiträge

Hallo Martha, tolle Idee, jetzt hoffen wir mal auf tolle Beiträge.
Besonders toll wäres es, von Sitten und Gebräuche zu lesen, die man selbst erlebt hat und nicht aus Wikepedia abgeschrieben wurden.


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#14

RE: Brauchtum und Sitten in Ungarn

in Ungarn Reisen, Land & Leute 19.10.2012 10:46
von Puskas auf eigenen Wunsch gel&ou (gelöscht)
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Spannende Idee. Ich freu mich drauf.


Ich bin nur dafür verantwortlich, was ich schreibe - nicht dafür, was daraus gelesen wird.


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#15

RE: Brauchtum und Sitten in Ungarn

in Ungarn Reisen, Land & Leute 19.10.2012 10:51
von Martha • Mitglied | 1.829 Beiträge

Ja, die Bräuche selbst erlebt zu haben, sollte man wohl voraussetzen. Irgendwo abschreiben ist doof.
Ich freue mich sehr auf Euere Geschichten!


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#16

RE: Brauchtum und Sitten in Ungarn

in Ungarn Reisen, Land & Leute 19.10.2012 11:08
von Puskas auf eigenen Wunsch gel&ou (gelöscht)
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Vielleicht am Thema etwas vorbei, aber geeignet den Faden aufzuheben.

Ich habe, vor Jahren, ich meine in dem Buch „Weib und Macht“ gelesen, dass es hier in der Gegend, bis hinauf nach Herzegowina bis vor wenigen Jahren üblich war, die erste Ackerfurche in Form eines Phallus in den Acker zu Pflügen.
Hintergrund ist der antike Glauben der sesshaften Völker, dass alles aus der Mutter Erde kommt. Ob Getreide, Früchte oder Kinder.

Kinder kamen aus Felsspalten, den Bornen (Paderborn z.B.) in dem die Erde die Frucht in die Frauen legte, wo sie aufwuchsen.
Auch im römischen Recht findet dieser Glaube Niederschlag. Die höchste aller Strafen war, die Leiche des Delinquenten zu verbrennen und nicht der Mutter Erde zurückzugeben. Damit wurde er dem Reinkarnationskreislauf entzogen und verlor nicht nur sein Leben, sondern auch die Chance auf Wiedergeburt.

Mit dem gepflügten Phallus, wurde also die Erde symbolisch befruchtet.


Ich bin nur dafür verantwortlich, was ich schreibe - nicht dafür, was daraus gelesen wird.


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#17

RE: Brauchtum und Sitten in Ungarn

in Ungarn Reisen, Land & Leute 19.10.2012 11:17
von ZalaKlaus • Mitglied | 702 Beiträge

Man sollte den Phallus-Ansatz doch einmal Herrn Orbán näher bringen. Vielleicht wird mit dem bewussten Einsatz des Fruchtbarkeitsinstruments - natürlich nur Made in Magyarorzág - der Anspruch der Ungarn auf Heimaterde noch eindeutiger belegt.

Respekt Puskas, wer sich als Angehöriger der männlichen Spezies Literatur mit bedeutungsschwangerem Inhalt wie "Weib und Macht" konsumiert, darf wohl zu denen gerechnet werden, die sich einer sehr mannigfaltigen Interessenslage hingeben und zudem vordergründig nicht in den Verdacht geraten, dem übermäßigen Machotum zuzusprechen.

Beste Grüße aus München

Klaus



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#18

RE: Brauchtum und Sitten in Ungarn

in Ungarn Reisen, Land & Leute 19.10.2012 11:52
von Puskas auf eigenen Wunsch gel&ou (gelöscht)
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Vielleicht ist es genau das Problem und er befasst sich zuviel mit seinem Phallus, die Katoliken vergangener Tage wussten dass das schaden kann.


Ich bin nur dafür verantwortlich, was ich schreibe - nicht dafür, was daraus gelesen wird.


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#19

RE: Brauchtum und Sitten in Ungarn

in Ungarn Reisen, Land & Leute 19.10.2012 12:04
von ZalaKlaus • Mitglied | 702 Beiträge

Da müsste noch aus calvinistischer Sicht bewertet werden, der bekanntermaßen Herr O. zuspricht. Aber die eigentliche Leidenschaft sollte doch bei dem Mann im besten Alter - auch wenn er in letzter Zeit doch oftmals sehr schlecht aussieht und die starke Gewichtszunahme offensichtlich ist - nunmehr dem Fußball gehören. Und in diesem Bereich träumt Herr O. sicherlich davon, dass nicht nur auf ungarischer Erde gespielt wird. Er möchte ungarische Clubs liebend gerne wieder auf internationaler Erde agieren sehen, insbesondere natürlich auch das Nationalteam, dem braslianische Erde in 2014 gut zu Gesicht stehen sollte. Dann lässt sich auch in diesem Bereich die gute und erfolgreiche Zeit der Magyaren aus den 50er Jahren wieder erfolgreich beleben und politisch nutzen.

Beste Grüße aus München

Klaus

PS O.K. wir sollten nach diesem Exkurs wieder zurück zum eigentlichen, tolle Thema einschwenken.



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#20

RE: Brauchtum und Sitten in Ungarn

in Ungarn Reisen, Land & Leute 19.10.2012 14:06
von Puskas auf eigenen Wunsch gel&ou (gelöscht)
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Ich habe, artig auf das Thema zurückkommend, einen, wie ich finde, sehr aufschlußreichen Link gefunden:

http://mek.niif.hu/02700/02791/html/index.html


Ich bin nur dafür verantwortlich, was ich schreibe - nicht dafür, was daraus gelesen wird.


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#21

RE: Brauchtum und Sitten in Ungarn

in Ungarn Reisen, Land & Leute 19.10.2012 15:16
von Peterbacsi (gelöscht)
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Zum Thema gab es schon einen Beitrag zu Osterbräuchen.
Ich hab dies an den Beitrag unten angehängt


Bis später
Admi
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#22

RE: Brauchtum und Sitten in Ungarn

in Ungarn Reisen, Land & Leute 19.10.2012 15:25
von Anza • Administrator | 7.731 Beiträge

@Peter, ja das hatte ich auch schon gedacht........wir haben schon mehrere Beiträge zu dem Thema,
auch über Weihnachts-/Neujahrsbräuche, die "Winteraustreiber"
(ich kann mir den Namen nie merken .....Busch--)
usw., aber vielleicht können wir sie hier mal alle zusammen fassen


Bis bald mal wieder
Pusztaqueen


- Hab Sonne im Herzen und Schalk in den Augen ! -


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#23

RE: Brauchtum und Sitten in Ungarn

in Ungarn Reisen, Land & Leute 19.10.2012 15:30
von Peterbacsi (gelöscht)
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Zitat von Pusztaqueen im Beitrag #16
@Peter, ja das hatte ich auch schon gedacht........wir haben schon mehrere Beiträge zu dem Thema,
auch über Weihnachts-/Neujahrsbräuche, die "Winteraustreiber"
(ich kann mir den Namen nie merken .....Busch--)
usw., aber vielleicht können wir sie hier mal alle zusammen fassen


Tja , schon wäre es ---
dann müsste ich sie erst mal wieder finden!


Bis später
Admi
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#24

RE: Feiertage und Brückentage

in Ungarn Reisen, Land & Leute 19.10.2012 09:22
von Martha • Mitglied | 1.829 Beiträge

Ja, Klaus, Allerheiligen finde ich auch immer so schön hier. Besonders gefällt mir, dass nicht alle gleichzeitig zu einem bestimmten Zeitpunkt ans Grab "müssen" - also wie unsere "Modenschau" in Deutschland. Man nimmt sich Zeit, nimmt viele kleine Kerzen mit und geht an die Gräber, wo man gern hingehen möchte. Manche Gräber "brennen" wirklich fast, weil dort soviele Kerzen in die Erde gesteckt wurden.
Man trifft sich, ratscht miteinander und ist dann - auch was das Dorfleben anbelangt - wieder auf dem Laufenden....... Da ist wirklich den ganzen Tag Betrieb!
Das gefällt mir viel besser als bei uns zu Hause in Deutschland. Hier nehmen die Menschen ihr Herz mit auf den Friedhof - zu Hause spüre ich davon nichts.

Leider können wir dieses Jahr nicht hier sein. Aber dafür kommen unsere Freunde zu uns - darauf freuen wir uns sehr!

Also: Wenn man die Brückentage zum Innehalten nutzt, ist das ja nicht schlecht. Hektik gibt's das ganze Jahr über genug.


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#25

RE: Feiertage und Brückentage

in Ungarn Reisen, Land & Leute 19.10.2012 10:19
von ZalaKlaus • Mitglied | 702 Beiträge

Guten Morgen Martha,

Du hast vollkommen recht. Auch in Nemesszentandrás fühlen sich alle im Dorf zu einem ganz bestimmten Zeitpunkt - Dämmerung, kurz vor Einbruch der Dunkelheit - im besten Outfit und mitgeschleiften Tonnen von Kränzen, Plastikblumen und Grablichtern gemüßigt, den wunderbaren Dorffriedhof weiter unten aufzusuchen. Alle 280 Einwohner ziehen dann an unserem Haus vorbei. Da wir nicht den ungarischen Gepflogenheiten folgen und die Rolladen respektive Fensterläden ganztätig geschlossen halten oder bei Einbruch der Dunkelheit sofort nach unten zu lassen, sitzen wir dann konsequenterweise sozusagen im Schaufenster und werden durch diverse brennende Lichtquellen im Haus auch noch entsprechend unfreiwillig illuminiert. Meine Nachbarn und die vielen Leute, die wir mittlerweile kennen, winken und grüßen von außen und erwarten dann natürlich auch entsprechendes Feedback. An Lesen oder Teetrinken ist somit in der Zeit der "Prozession" natürlich nicht zu denken. An ein Herunterlassen der Rollläden, um dann doch noch schnell einen Dominostein und eine Tasse Tee an den Mund zu führen, ist wegen des möglichen negativen Zeichen mit "Ausschlusswirkung" nicht mehr zu setzen. Das kann dann erst erledigt werden, wenn der Letzte vorbeigezogen ist. Unsere Lernkurve in den letzten Jahren diesbezüglich war auch nicht besonders ausgeprägt und so ist fast ein Allerheiligen-Ritual geworden. So erzählt es zumindest unser Nachbar, und wir wagen es nunmehr gar nicht mehr, präventiv die Rollläden nach unten zu lassen.

Wir gehen dann meist am späten Abend zwischen 22.00 Uhr und 23.00 Uhr auf den dann verwaisten Friedhof, lassen das beeindruckende Lichtermeer auf uns wirken und legen ein paar Kerzen an den Gräbern von guten Bekannten ab. Da kommt dann auch irgendwie der bayerische katholische Bua in mir hoch. Ich erinnere mich an die vielen Gräberbesuche an Allerheiligen in Deutschland, die aber nie so gewollt und andächtig abgelaufen sind, wie die in Ungarn auf Friedhöfen mit eigentlich unbekannten Menschen.

Da wir im Laufe unserer ungarischen Jahre das Ableben einiger der von uns adoptierten und versorgten Dorf-/Straßenkatzen hinnehmen mussten, unterhalten wir darüber hinaus weiter unten auf unserem Grundstück eine Art von privatem Tierfriedhof mit leider inzwischen 10 Katzengräbern neben dem Grab unseres Hundes Felix. Alle besitzen zu ihrem Gedenken einen kleinen Grabstein mit ihrem Namen und sehr ansprechender Rundumbepflanzung. Wir als bekennende Tierfreunde, die auch im Tierschutz engagiert sind, gönnen uns diese Geste für unsere Ex-Familienmitglieder bewusst, was am Anfang natürlich eher auf Unverständnis bei unseren Nachbarn aber auch Dorfbewohnern gestoßen ist. Diese Zeiten sind aber vorbei. Mittlerweile finden wir bei unser Allerheiligen-Wiederkehr stets abgegelegte Blumen, Blumenschmuck und Grablichter auf den Grabsteinen unserer verstorbenen Katzenlieblinge vor, was wir als Zeichen der Akzeptanz werten. Da diese Geste in Ungarn nicht selbstverständlich ist, sind wir immer wieder ganz angerührt. Es gibt also zumindest in Nemesszentandrás auch ein sichtbares Zeichen in Gedenken an verstorbene Vierbeiner.

Beste Grüße aus München

Klaus


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